Mobile Gärten
An außerschulischen Lernorten, in Kindergärten, Schulen
und Kinder- und Jugendarbeiteinrichtungen

1. Die mobilen Gärten
Im Rahmen einer Teilnahme der Gemeinde Schöppingen an der City-Offensive 2010 NRW unter dem Motto „Stadt-Kern-Gesund“ entstanden die ersten mobilen Gärten.
Die Umsetzung der Idee von Künstler und KIT-Partner Dieter Strauß wurde durch die Fa. Blattwerk Uphoff und das Künstlerdorf Schöppingen unterstützt.
Eingeladen über die Tageszeitung kamen interessierte BürgerInnen um sich einen der 18 gespendeten Einkaufswagen zu bepflanzen und mit nach Hause zu nehmen. Zusätzlich wurde ein alter Traktoranhänger kreativ gestaltet und zu einem großen Gemüsebeet umfunktioniert. Besonders die Einkaufswagen in den Vorgärten und vor einigen Geschäften und der Traktoranhänger wurden in der Bevölkerung sehr positiv wahrgenommen. Der Traktoranhänger fand sofort großes Interesse und wurde die ersten Wochen intensiv von Kimndern der Grundschule Schöppingen gepflegt. Danach „wanderte“ er jeweils für 2-4 Wochen zu Kindergärten, einem Seniorenheim und vor Geschäfte und Schulen in Nachbargemeinden.
Insgesamt wurde eine Vielzahl von Menschen erreicht. Sie haben gemeinsam gepflanzt, gepflegt,
zwischendurch geerntet, so entstandene Freiflächen wieder neu bepflanzt und schließlich gemeinsam gelernt. Zum Apfelfest im September 2010 „trafen“ sich dann alle GärtnerInnen mit ihren Gärten in Schöppingen wieder. Mit großer Freude wurde öffentlich gemeinsam geerntet, gekocht und gegessen. Ein wunderbares Lernszenario gemeinsamen Lernens für Jung und Alt.

Das Projekt „Mobile Gärten“ fand in 2011 die gemeinnützige Unterstützung der Bildungsbewegung KIT-Initiative Deutschland e.V., die das Projekt in die Palette der Leitprojekte aufnahm. Der große positive Anklang und das Interesse weiterer Schulen und Einrichtungen im Umkreis von 30 Km brachten in 2011 vier große „Mobile Gärten“ zustande. Im Herbst 2011 trafen sich erneut die wandernden „Mobilen Gärten“ in Schöppingen und wurden von den BesucherInnen des Apfelfestes erneut sehr positiv wahrgenommen.
Große Unterstützung erhielt das Projekt nun durch die Gemeindeverwaltung Schöppingen und durch die Initiative Schöppingen. Die gemeinsame Ernte, das gemeinsame Kochen und Essen stärkte das „Wir-Gefühl“ und ermöglichte außerschulisches Lernen gemeinsam für Jung und Alt.

Die Gruppe die den schönsten Garten gestaltet und bepflanzt hatte, wurde durch ein 3-Gänge Menü belohnt, dass von den ortsansässigen Gastronomen vorbereitet wurde. Gewonnen hatte die In Sel
gGmbH, eine sozialpsychiatrische Einrichtung für Integration und Selbstständigkeit aus Kreis Borken, die einen alten Viehwagen sehr kreativ gestaltet und „beackert“ hatte.
Der 2. Platz ging an die .St.-Elisabeth-Schule, eine Förderschule der Tectum Caritas  gemeinnützige GmbH in Steinfurt

In der Gesamtbilanz ist festzuhalten, dass die Projektbeteiligten während der gesamten Aktion „Mobile Gärten 2011“ in engem Kontakt zur Projektleitung standen. Im  Austausch wurde deutlich, dass die Kinder durch den offenen kreativen Prozess und den dadurch entstehenden hohen „Eigenanteil“ an der Gestaltung der Gärten einen intensiven Bezug zum Projekt und den damit verbundenen Themen halten konnten. Das praxisorientierte Lernen machte für die Beteiligten eigenverantwortliches, entdeckendes Lernen möglich.

1.2 Mittelfristige Entwicklung der „Mobilen Gärten“       
Die beteiligten Einrichtungen haben ihre „Mobilen Gärten“ wieder mitgenommen. Sie wollen im Frühjahr 2012 in kreativen Aktionen an den Wagen arbeiten und diese auch wieder bepflanzen. Während der gesamten Wachstumsperiode werden die Gärten erneut von Kooperationspartner zu Kooperationspartner „wandern“.
Gegenüber 2011 werden sich in 2012 noch mehr Gemeinden und Einrichtungen an dem Projekt beteiligen. In dem auf 50 Km ausgedehnten Aktionsradius und neuen Standorten beteiligen sich immer mehr Menschen an den nachhaltigen Lernszenarien lebensbegleitenden Lernens mit ihren Ernährung.- und Umweltrelevanten Themen für Jung und Alt.
Zentraler Sammelpunkt der „Mobilen Gärten“ wird wieder im Herbst 2012 das Apfelfest in Schöppingen sein. Wir werden wieder gemeinsam ernten, kochen, essen, kommunizieren und gemeinsam lernen. Die „Mobilen Gärten“ werden erneut bewertet und die kreativsten GärterInnen wieder durch die Gastronomen belohnt.

2. Grundlagen     
Tradition, Kreativität und Innovation, ein Trio mit Potenzial.
Weil viele Menschen angesichts einer sich rasend schnell wandelnden Welt Verunsicherung verspüren, spielen die Rückbesinnungen auf Traditionen eine große Rolle. Ein vertrautes Erscheinungsbild oder die Anwendung von Prinzipien, die wir aus der Kindheit oder Erzählungen kennen: Tradition schaut zurück, besinnt sich auf alte Gepflogenheiten, Werte und Handlungsweisen. Sie schafft stabile Orientierungspunkte und bildet angenehme Inseln der Ruhe im globalen Getümmel. Die „mobilen Gärten machen sich Tradition zu eigen, um mit ihrer Hilfe eine nachhaltige Entwicklung  zu schaffen. Die Gemeinden und ihr Umfeld, also die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen, sind die Fundgrube für Kompetenzen, Wertvorstellungen und kulturelle Aspekte, durch deren Wiederentdeckung eine positive Ausrichtung bezogen auf Ernährung.- und Umweltrelewante Aspekte gefördert wird.
Kindliche Kreativität spielerisch naturnah zu fördern wird im Zeitalter des Dauerfernsehens und der Computerspiele immer wichtiger.
Die kindliche Kreativität, vielfach in pädagogischer Arbeit erlebt und verstanden als eben nicht Spinnerei, beinhaltet noch eine natürliche interdisziplinäre Sicht.- und Vorgehensweise.
Vielfach wird Kreativität erst als solche bezeichnet und bewertet, wenn sie einhergeht mit einer völligen Neudefinition bekannter und akzeptierter Gesetzmäßigkeiten oder Bereiche. Der Bruch mit alten Vorstellungen und Normen, verbunden mit der dazugehörigen Unsicherheit des Unbekannten, Unbewiesenen oder Spekulativen, verdeutlichen gleichzeitig, warum Kreativität im sozialen Kontext immer wieder einen schweren Stand hatte und bis heute in vielen Gesellschaftsbereichen um Anerkennung ringen muss.
In jüngerer Vergangenheit und heute wird die Kreativität als eine Schlüsselqualifikation in allen Berufen und im sozialen Umgang miteinander angesehen.

Zitat
„Kein König und kein Minister hätte Newton anweisen können, das Gesetz der Schwerkraft zu entdecken, denn sie wussten nicht und konnten nicht wissen, dass es ein solches Gesetz zu entdecken gab. Kein Beamter des Finanzministeriums beauftragte Fleming, das Penicillin zu entdecken. Eben so wenig erhielt Rutherford den Auftrag, bis zu einem bestimmten Termin das Atom zu spalten, denn kein zeitgenössischer Politiker und übrigens auch kaum ein Gelehrter hätte damals geahnt, was das bedeutet oder wozu es dienen kann.
So werden keine Entdeckungen gemacht. Meist kommen sie so zustande, dass ein Forscher durch eine unbemerkte oder plötzlich in einem neuen Licht gesehene Erscheinung veranlasst wird, von seinem bisherigen Wege abzugehen.
Wenn heute ein Land auf wissenschaftlichem Gebiet einem anderen ebenso reichen Lande nachhinkt, dann höchstwahrscheinlich deshalb, weil dieser Staat seinen Wissenschaftlern vorgeschrieben hat, was sie entdecken sollten. Das heißt mit anderen Worten: Man hat zu viel Geld für bestimmte Projekte aufgewandt und zu wenig für die abstrakte Wissenschaft. Je mehr Mittel für Projekte aufgewandt werden, die der Politiker verstehen kann – also für den Ausbau bereits gelungener und veröffentlichter Entdeckungen -, desto weniger Mittel stehen für Entdeckungen zur Verfügung, die noch unbegreiflich sind, weil sie noch nicht gemacht wurden.“
Cyril Northcote Parkinson in „The Law and the Profits“, 1960

Um aus Tradition und Kreativität Innovation zu schaffen, müssen neue zeitgemäße interdisziplinäre Zusammenhänge erforscht werden. Es reicht nicht, in die Vergangenheit zu schauen und alte Kompetenzen wieder zu entdecken. Es müssen neue umweltrelevante Zusammenhänge erforscht, nachhaltig kommuniziert und angewendet werden. Theoretische Bildungsangebote benötigen die praktische Umsetzung. Glaubhafte Verbindungen aus Wissen, Erfahrungen und Kreativität schaffen verinnerlichte nachhaltige Veränderungen, die allerdings noch eine Reihe von naturnahen Aktivitäten nötig machen.

3. Langfristiges Vorhaben  
In Zukunft möchten die Bildungsbewegung KIT-Initiative – und das ist als Einladung zum mitmachen gemeint – „Mobile Gärten“  als Innovationsimpulse in den urbanen Zentren in NRW installieren.
Das schulische Bildungsangebot soll an externen Lernorten schwerpunktmäßig durch  umweltkommunikative Aspekte erweitern werden. Durch Beteiligung von Jung und Alt wird das ganztägige Lernen zu „lebensbegleitenden Lernen“ in dem ein „Wir-Gefühl“ entsteht und sich Leidenschaft und Kompetenzen vernetzen können.

Unsere Kinder werden von Eltern, ausbildenden Firmen  usw. traditionell in Schulen, soziale Einrichtungen und dergleichen gebracht. Es sind in der Regel örtlich gebundene Schulen und Seminare. Diese „Einbahnstraße“ möchten wir mit dem Projekt „Mobile Gärten auch in die entgegengesetzte Richtung öffnen.
Aus den staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen kommt der „Mobile Garten“ vor die Haustüre der Bürger, Einrichtungen und Firmen. Außerschulische Lernorte entstehen in den privaten Vorgärten, auf Rasenflächen hinter dem Haus, in der Nachbarschaft oder auf begrüntem Firmengelände.

„Mobile Gärten“ als Lernträger kombinieren die positiven Aspekte traditioneller und aktueller Kompetenzen und Methoden. Die „Selbstversorgung im Schrebergartenformat“ wird in den oben genannten Einrichtungen in einem sehr kreativen Prozess gebaut, bepflanzt und dann auf Reisen gehen.
Mit Unterstützung von LehrerInnen und in der Regel älteren Anwohnern, die noch über ein hohes Maß an Fachkompetenz verfügen, können die Kinder Erfahrungen in umweltbezogenen Themen sammeln.

In den Themen zu den „Mobilen Gärten stellen sich z.B. folgende Fragen:
•    was ist gesunde Ernährung und wie ist diese möglich (Schadstoffe)?
•    wie viel Fläche wird für Zierbepflanzung und Rasen im häuslichen Umfeld „verbraucht“?
•    Welche Mengen an Energie werden zur Anlage und Pflege benötigt? Wie kann Energie gespart werden?
•    Welche Strecken werden im Durchschnitt für Gemüse bzw. Obsteinkäufe
zurückgelegt werden und von wo und wie kommen die Produkte ins Geschäft?
•    Für welche Nutzpflanzen eignen sich die untersuchten Flächen?
•    Wie kultiviere ich derartige Pflanzen?
•    Welches Handwerkszeug wird beim Bauen und Pflanzen genutzt.
•    Welche Bedeutung haben gemeinsame Projekte in der Gesellschaft.
•    Welchen Stellenwert hat das gemeinsame Feiern (ernten und Essen) im sozialen Umfeld

Die neue Vorgehensweise in der Nutzung der „Mobilen Gärten“ ermöglichen Schulklassen, Kindergartengruppen und auch einer möglichst breiten Öffentlichkeit sich auf humorvolle, sehr positiv besetzte, kreative und anspruchsvolle Weise mit konkreten  und sachlichen Argumenten zu Umwelt.- und Ernährungsfragen direkt auszutauschen.
Zeitlich und örtlich begrenzte Aktionen liefern realistische Grundlagen zur Beurteilung von „heimischen Ressourcen“. Beispielhafte  „Inseln“ zur nachhaltigen Nutzung werden sichtbar oder angelegt.
Generationsübergreifenden Themen wie Bildung, Kultur, Natur, Nahrung und deren Produktion in regionalen aber auch überregionalen und globalen Zusammenhängen, die Zubereitung des Essens und das gemeinsame Essen als „positive Verstärker“ sind Grundlage für eine intensive Kommunikation und ganzheitliche nachhaltige Umweltbildung.

4. Zielgruppen
Wir richten unsere Einladung an Kindergärten, Schulen, soziale Einrichtungen, Heimatvereine etc. und kooperierende Firmen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich gerade ältere ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger als „Kompetenzträger“ für das Projekt interessieren.

5. Orte
Das Projekt „Mobile Gärten“ war bisher auf den ländlich geprägten Raum Münsterland beschränkt.
Beteiligt haben sich Gruppen in Gronau, Burg Steinfurt, Horstmar, Wettringen und Schöppingen.
Hier gibt es sicherlich noch teilweise einen engen Kontakt zu praktischen Belangen der Nahrungsmittelproduktion.
In Zukunft sollen verstärkt auch größere Städte mit einbezogen werden. Es ist sicher sinnvoll und stellt einen besonderen Reiz dar, gerade in Lebenswelten fern von erfahrbarer Lebensmittelproduktion, naturnahe Selbstversorgung auszuprobieren.

6. Umsetzung / Einladung
Aus den erfolgreichen „Mobilen Gärten“ der letzten beiden Jahre gibt es sowohl in den sozialen Einrichtungen als auch in der Bevölkerung eine ausreichende Resonanz und Akzeptanz zur Beteiligung an dem neuen Projekt.

Im Rahmen eines engen Kontaktes zur Projektleitung können interessierte Gruppen leicht eigene Zentren „Mobiler Gärten“ aufbauen. Anhand konkreter persönlicher Hilfestellungen und einer umfassenden Projektbeschreibung stehen den MitarbeiterInnen in den jeweiligen Einrichtungen und allen weiteren interessierten Gruppen gute Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung. So können Zentren der „Mobilen Gärten“ in ganz NRW entstehen.

Durch die beteiligten Einrichtungen werden Kontakte zu möglichen „Lieferanten“ alter Transportanhänger geknüpft. Erfahrungsgemäß sind das Landwirte aus der Umgebung oder Firmen mit ungenutzten Fahrzeugen. Auch auf Schrottplätzen kann man im Einzelfall fündig werden.

Die zu den Einrichtungen gebrachten Fahrzeuge werden dort im Rahmen von kreativer Projektarbeit teilweise repariert, neu gestaltet und oder ausgebaut. Hier entstehen erfahrungsgemäß gute Kontakte zu unterstützenden Firmen. (In Schöppingen gelang das in den beiden zurückliegenden „fast wie von selbst“.)

Erfahrungsgemäß berichten die lokalen und regionalen Medien über das Projekt und sorgen so zusätzlich für Kommunikation und Interesse am Projekt.
Der gemeinnützige Projektträger Bildungsbewegung KIT-Initiative bietet das juristische Fundament und kommuniziert das Projekt überregional.

Und weil es Spaß macht, wird es weiterhin gelingen!

Interesse geweckt? Ich freue mich auf einen anregenden Kontakt mit Ihnen.

Dieter Strauß
Projektleiter
Layenstiege 11a
48624 Schöppingen
Tel: 02555 2276
e-mail: d-strauss@t-online.de

Gemeinnützigkeit:
KIT-Initiative Deutschland e.V.
Vorsitz: Hans-Georg Torkel
Email: vorstand@kit-initiative.de

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