Nachhaltige Apps

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Jan 112016
 

Mittlerweile kennt und benutzt fast jeder Smartphone- oder Tablet-Besitzer Apps. Hinter dem Begriff „App“ steht der englischsprachige Begriff „Application Software“, welcher Anwendungssoftware für Mobilgeräte bzw. mobile Betriebssysteme umfasst.

Neben diesen „Standard-Apps“ finden sich aber auch immer mehr Apps auf dem Handy, die einen nachhaltigen Hintergrund haben. Man kann sich „mal eben“ per App informieren, ob das Produkt frei von schädlichen Zusatzstoffen ist, welchen Fisch man ohne all zu große Umweltbedenken essen darf, wie man Energie sparen kann, wo die kürzeste Radroute lang führt oder wie man schnell an eine Mitfahrgelegenheit kommt.

Wir haben unsere Sammlung von Apps für ein nachhaltig(eres) Leben aktualisiert und wünschen viel Spaß beim ausprobieren der digitalen Helfer.

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Ernährung

“Zu Gut für die Tonne”
Aus übrig gebliebenen Lebensmitteln leckere Restegerichte zubereiten: Dafür gibt es die Zu gut für die Tonne-App für Smartphones und Tablets. Sie enthält mittlerweile 340 Rezepte von Sterneköchen und prominenten Kochpaten wie Sarah Wiener, Johann Lafer, Daniel Brühl sowie vielen Hobbyköchen. Hier finden sich Klassiker wie der Arme Ritter, neue Kreationen und pfiffige Beilagen aus wenigen Zutaten. Regelmäßig kommen neue Rezepte hinzu – die App lässt sich dazu ganz einfach aktualisieren.
Die App gibt außerdem Tipps zum Einkauf, zur richtigen Aufbewahrung und Verwertung von Lebensmitteln. Ein umfangreiches Lebensmittellexikon informiert über Lagerung und Haltbarkeit. Und der Einkaufsplaner bringt Übersicht in den Supermarktbesuch und hilft dabei, Mengen richtig einzuschätzen und Zeit im Geschäft zu sparen.
Für Android- und iOS-Geräte

Erntefrisch
Ganzjährige Verfügbarkeit von Obst und Gemüse sind heute selbstverständlich. Dennoch haben Obst und Gemüse eine Saison in der sie erntefrisch sind. Der Verbraucher merkt es vor allem am Preis. Aber auch die CO2 Bilanz ist wichtig, denn umso länger Obst und Gemüse in der Kühlung lagern oder importiert werden müssen, umso höher ist der dafür benötigte Energieverbrauch.
Für iPhones

WWF-Fischratgeber
Die langjährige Ausbeutung der Meere hat zu weltweiter Überfischung zahlreicher Fischbestände geführt. Durch gezielten Einkauf kann man dazu beitragen, bestimmte Fischarten zu schonen. Je nach Herkunft und Fang- oder Zuchtmethode ist ein Kauf dann unbedenklich oder eben nicht zu empfehlen.
Die Bewertung erfolgt anhand der Kategorien „Gute Wahl“, „Zweite Wahl oder „Lieber Nicht“. So hilfst du mit, die Meeresumwelt und die Fischbestände für die Zukunft zu erhalten.
Für Android- und iOS-Geräte

Einkaufen und Konsum

FoodLoop
FoodLoop bietet dem Lebensmitteleinzelhandel die erste automatisierte Marketingplattform, um vermeidbare Lebensmittelabfälle zu reduzieren und gleichzeitig die Umsätze zu steigeren. Mit Hilfe des FoodLoop-Systems können Einzelhändler hochwertige und frische Lebensmittel, die sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum nähern, über ihren Markt hinaus bewerben. FoodLoop ist an das Warenwirtschaftssystem des Einzelhändlers angeschlossen und kommuniziert Angebote in Echtzeit an den Verbraucher. Durch die FoodLoop-App ist der Verbraucher zu jederzeit über alle reduzierten Produkte in seiner Umgebung informiert. Das bringt Vorteile für Einzelhändler, Verbraucher und die Umwelt. Im Gespräch mit NRW denkt nach(haltig) erzählt Tobias Müller-Dechent, Mitgründer des Start-Ups hinter FoodLoop, wie aus der Idee eine App wurde, wo weitere Potenziale für Nachhaltigkeits-Apps liegen und wie die Zukunft von FoodLoop im Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung aussieht.
Für Android- und iOS-Geräte

Fair Fashion?
In ihrem Firmencheck 2014 hat die „Clean Clothes Campaign“ (CCC) untersucht, wie es bei den großen Kleidungsmarken mit der Bezahlung in den auf der ganzen Welt verstreuten Fabriken aussieht. Anhand eines Fragenkatalogs wurde bei über 50 europäischen Herstellern – von Adidas bis ZARA – erhoben, ob den Arbeiter(inne)n in der Produktion ein existenzsichernder Lohn bezahlt wird. Die Ergebnisse und Bewertungen sind nicht nur im Web sondern auch als kostenlose App für iOS– und Android-Geräte verfügbar.

ToxFox
Viele Kosmetika enthalten Stoffe, die unser Hormonsystem beeinflussen. Der BUND hat eine App entwickelt, die beim Einkauf sofort Auskunft gibt, welche Produkte unbedenklich sind. Zahnpasta, Shampoo, Sonnencreme, Lippenstift, Deo … Die Produkte sollen schön und sauber machen. Und wer sie verwendet, will sich etwas Gutes tun. Doch das ist nicht immer der Fall. Denn häufig enthalten Körperpflegemittel Chemikalien, die der Gesundheit schaden können. Der BUND hat die Inhaltsstoffe von über 60.000 Pflegeprodukten unter die Lupe genommen. Das erschreckende Ergebnis: Jedes dritte enthält Chemikalien, die wie Hormone wirken.
Für Android- und iOS-Geräte

Such-Dich-Grün
Die Such-Dich-Grün-App hilft, Bioläden und nachhaltige Unternehmen in der Umgebung zu finden. Außerdem informiert die App über Bio-Angebote in der Nähe, erklärt diverse Biosiegel und gibt konkrete Hinweise zu Lebensmitteln. Für genaue Produktinfos, zum Beispiel in Form einer Lebensmittel-Ampel, wird einfach der Barcode des Produkts gescannt. Darüber hinaus hält einen die Such-Dich-Grün-App mit News rund um das Thema Bioprodukte auf dem Laufenden und ermöglicht es, Bioläden zu bewerten oder neue Bioläden zu empfehlen.
Für Android- und iOS-Geräte

Siegelklarheit
Als Website und App lichtet „Siegelklarheit“ den Kennzeichnungsdschungel beim Kauf von Textilien, Lebensmitteln, Papier und Holz, indem erklärt wird, wie sich die einzelnen Siegel unterscheiden, was sie versprechen und wer für diese Versprechen einsteht. Über ein einfaches Bewertungssystem können Verbraucher(innen) auf einen Blick erkennen, ob sie mit dem Kauf des Produkts mit dem entsprechenden Siegel eine gute Wahl treffen. Wer sich informieren möchte, kann auf www.siegelklarheit.de vorbei surfen oder sich die App für Android- oder iOS-Geräte herunter laden.

NABU Siegel-Check
Der Siegel-Check des NABU gibt Durchblick im Siegeldschungel. Mit dem Smartphone fotografiert man Logo, Siegel oder Label des Produkts und bekommt direkt Infos, ob der ausgewählte Artikel aus der Umwelt-Perspektive vertretbar ist. Die Datenbank wird kontinuierlich erweitert und ist auch als Webversion verfügbar.
Für Für Android-, Windows- und iOS-Geräte

Apps für den Verkehr

Öffi – ÖPNV Auskunft
Informationen zu Bus und Bahn für diverse Länder weltweit bietet diese App. Abfahrtszeiten (live, inkl. Verspätungen), nahe gelegene Haltestellen (mit Karte), Verbindungs-Abfragen (von Haustür zu Haustür) und interaktive Netzpläne. Auch die grafische Darstellung der Verbindungen ist durchdacht und gibt einen schnellen Überblick über die alternativen Fahrverbindungen.
Für Android-Smartphones

Tamyca – Take my Car
Mit der Tamyca-App wird Mobilität effizienter. Tamyca organisiert die Autovermietung zwischen Privatpersonen. Hierbei werden Autos von ihren Besitzern zur Verfügung gestellt, wenn diese sie nicht gerade selber benötigen. Andere Tamyca-User können das Auto kurzfristig mieten und die Mobilität genießen. Somit können Autobesitzer ihre laufenden Kosten reduzieren und die Vorteile des eigenen Autos mit anderen teilen. Umweltschonend ist das Konzept obendrein, da weniger Autos benötigt werden um mehr Menschen mobil zu machen.
Für Android- und iOS-Geräte

Drivy
Auch über Drivy, ein Sharing-Service der Ende 2014 in Deutschland gestartet ist, lassen sich Autos zwischen Privatpersonen vermieten. In Nordrhein-Westfalen gibt es vor allem in den größeren Städten bereits ein gutes Angebot an Fahrzeugen. Wer ein Auto braucht, kann sich im Internet oder über die zugehörige App auf die Suche nach einem passenden Fahrzeug machen, das zu der gesuchten Zeit verfügbar ist. Ein Bewertungssystem zeigt an, wie zufrieden andere mit dem gemieteten Auto und der Kommunikation mit dem Besitzer waren. Rechtliche Fragen werden über einen Mietvertrag sowie eine Versicherung geregelt.
Für Android- und iOS-Geräte

mitfahrgelegenheit.de
Wie der Name schon verrät, handelt es sich hier um eine App, die den Zugang zu Mitfahrgelegenheiten erleichtern soll. Mit der Anwendung des größten Mitfahrnetzwerks in Europa ist es möglich, bequem nach freien Plätzen zu suchen oder selbst eine Fahrt anzubieten. Mitfahrgelegenheiten sind preiswert und zugleich umweltschonender als getrennte Autofahrten.
Für Android- und iOS-Geräte

Carjump
Die App von CarJump verschafft einen Überblick: neben den Car-Sharing-Anbietern DriveNow, car2go, Multicity und cambio umfasst die App auch das Fahrradverleihsystem Nextbike. CarJump stellt nicht nur die Standorte der Stationen dar, sondern zeigt auf einer Karte auch direkt an, ob innerhalb der Station sofort Fahrzeuge verfügbar sind.
Für Für Android-, Windows- und iOS-Geräte

Freizeit

„Natur erleben NRW“
„Natur erleben NRW“ ist ein Naturerlebnis- und Radroutingportal für das Land NRW. An der Schnittstelle zwischen Naturschutz und Tourismus versetzt das Portal den Naturfreund in die Lage, ein- oder mehrtägige Touren zwischen 200 ausgewählten Natura-2000-Gebieten in Nordrhein-Westfalen zu erstellen. Die App bietet die Möglichkeit unterwegs Informationen über die aktuelle Route, die Gebiete und so genannte “Points of Interest” und deren Besonderheiten abzurufen.
Für Android- und iOS-Geräte

Klimaschutz und Energie

LED-Navi
Wenn zu Hause eine Glühbirne kaputt geht, ist es gar nicht so einfach richten Ersatz zu finden. Denn neben Fassung, Form und Watt-Stärke muss auch die Energiebilanz der Lampe stimmen. Hilfe bietet nun die App „LED-Navi“. In der App lässt sich einstellen, welche Art von Lampe benötigt wird. Das LED Navi zeigt dann eine Vorschlagsliste mit LED-Lampen, die nach Effizienz geordnet ist. Wer möchte, kann sich auch einen Vergleich zwischen der alten und der neuen Lampe errechnen lassen, um zu Erfahren wie viel Geld und Energie man sparen kann. Die Online-Bestellung der passenden Lampe ist dann auch über die App möglich.
Für Android– und iOS-Geräte

eSchrott
Auch das schönste Smartphone-Leben hat einmal ein Ende. Genauso wie alle anderen Elektrogeräte gehören die mobilen Helfer nicht in den Müll sondern müssen zu speziellen Sammelstellen gebracht werden. Bei der Suche nach der nächsten Annahmestelle für alte Elektrogeräte hilft die eSchrott-App. Wer illegal abgestellten Elektroschrott entdeckt hat, kann diesen über die App melden.
Für Android-, Windows- und iOS-Geräte

“Lisa taucht ab!”
Um Kindern schon frühzeitig und vor allem spielerisch den verantwortungsbewussten Umgang mit Wasser beizubringen, bietet die App “Lisa taucht ab!” ein interaktives Bilderbuch, das kindergerecht die Bedeutung von Wasser in unserer Gesellschaft erklärt. Die kleinen Smartphone-User lernen während der Geschichte, welche Auswirkungen schadstoffbelastetes Wasser hat und bekommen zusätzlich viele Tipps und Tricks zum Wasser sparen.
Für Android-Smartphones und für iPhones

Per App engagiert

Share the Meal
Über die App „Share The Meal“ sammelt das Welternährungsprogramms der Uno Spenden für Kinder, die von Hunger bedroht sind. Ein Klick kostet den Spender 40 Cent und verwandelt sich in Mahlzeiten, die ein Kind einen Tag lang satt machen. Wer die App mit Facebook verbindet, kann zusätzlich sehen, wie viel der eigene Freundeskreis bereits gespendet hat. Die App ShareTheMeal ist für Android- und iOS-Geräte verfügbar.

Change your Shoes
Marke, Design, Passform, Preis. Gedanken über Schuhe machen viele Menschen, wenn sie im Laden stehen oder online shoppen. Gedanken darüber, wo die begehrte Fußbekleidung herkommt, macht man sich aber eher weniger. Über die „Change your shoes“ App bekommen Nutzer(innen) Informationen und Nachrichten zu (un)fairen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie. Vor allem, geht es in der europaweiten Kampagne aber darum, die Politik auf die Forderung nach gerechteren Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.
Für Android- und iOS-Geräte

EcoChallenge
Wenn man etwas verändern möchte, muss man bei sich selbst anfangen. Das gilt auch für Nachhaltigkeit. Damit diese Veränderung leichter von der Hand geht, kann man die App „EcoChallenge“ benutzen. EcoChallenge ist Teil des Forschungsprojektes EcoViz des Interaction Design Labs der Fachhochschule Potsdam. Jede Woche wird einem neuen Thema, wie zum Beispiel „Sauberes Licht“ oder „Regionales Essen“, gewidmet und die Nutzer erhalten zwei „Challenges“, um das im Wochenthema Gelernte nachhaltig umzusetzen. So soll man zum Bespiel einen lokalen Bauernmarkt besuchen oder alle Glühbirnen, die am Tag länger als 30 Minuten brennen, gegen Energiesparlampen austauschen. Die Erfolge, die man erzielt, kann man dann auch mit Freunden online teilen. 2011 gewann die App den Clean Tech Media Award. Sie kann kostenlos für iOS-Geräte herunter geladen werden.

 

Themenspecial „Nachhaltig schenken und spenden“

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Nov 242015
 

Nachhaltige Geschenktipps LabelDie Weihnachtszeit ist für viele Menschen ein besonderer und willkommener Anlass Geld- und Sachspenden an Bedürftige weiterzugeben. Die Spendenbereitschaft trifft dabei auf einen vielfältigen und großen Bedarf, der sich in diesem Jahr innerhalb von Deutschland sowie international noch vervielfacht.

Die Folgen von Krieg und Verfolgung werden für uns, die wir in einem sicheren und reichen Land wohnen dürfen, mit den ankommenden Flüchtlingen besonders deutlich. Die Menschen haben eine lange und gefährliche Reise hinter sich, kommen zumeist ohne jeglichen Besitz und benötigen Hilfe sowohl von staatlicher als auch von privater Seite.

Das vorliegende Themenspecial gibt einen Überblick über beispielhafte wohltätige Initiativen, die sich unter anderem über Spenden finanzieren. Auch alternative Formen des Spendens & Schenkens wie das Crowdfunding und das Charity-Shopping werden vorgestellt. Ein thematischer Schwerpunkt ist aus aktuellem Anlass der Bereich der Flüchtlingshilfe.

Das Projektteam „NRW denkt nach(haltig)“ hofft, allen Interessierten eine kleine Hilfestellung bei der Recherche nach einem geeigneten Spendenempfänger zu geben und wünscht eine frohe Advents- und Weihnachtszeit.

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Allgemeine Informationen:

DZI Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen

Der DZI ist die anerkannte Prüfinstanz, die unabhängig und kompetent das Geschäftsgebaren von Hilfsorganisationen bewertet. Mit ihren Empfehlungen gibt sie Spendern und Öffentlichkeit Sicherheit, mit ihrer Kritik warnt sie vor Missständen und schwarzen Schafen. Die DZI Spenderberatung ist praktischer Verbraucherschutz für Spender.
http://www.dzi.de/spenderberatung/
Auf der Website des DZI findet sich zudem ein kleiner Ratgeber, der die wichtigsten Tipps für Spender/innen bündelt:
http://www.dzi.de/wp-content/pdfs_Spendentipps/Die_7_wichtigsten_Tipps_fuer_Spender.pdf

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Schenken & Spenden zur Weihnachtszeit:

Aidshilfe NRW e.V.
Persönliches und ideelles Engagement bilden von Beginn an ein grundlegendes Element der Aidshilfearbeit und der Arbeit der Mitgliedsorganisationen. Nur durch die vielfältigen Aktivitäten in der Selbsthilfe und in der ehrenamtlichen Arbeit war es möglich, ein Netz der Unterstützung und Solidarität, das große Engagement in der Prävention und die konkreten Hilfen für Menschen mit HIV und Aids aufzubauen und zu entwickeln. Hier werden täglich erhebliche Eigenleistungen erbracht, ohne die die gesamte Struktur zusammenbrechen würde. Darüber hinaus besteht immer mehr die Notwendigkeit, auch zusätzlich finanzielle Eigenmittel einzuwerben, um die wichtigsten Aufgaben durchführen zu können. Durch Fördermitgliedschaften, Spenden, Sachspenden und Sponsoringprojekte kann die Arbeit der Aidshilfe ganz konkret unterstützt werden.
http://www.ahnrw.de/aidshilfe-nrw/front_content.php?idcat=2025

Ärzte ohne Grenzen e.V.
Mit einer Spende zu Weihnachten an Andere denken.
Machen Sie sich und anderen zu Weihnachten ein ganz besonderes Geschenk: Mit einer Spende zugunsten von Ärzte ohne Grenzen helfen Sie, Leben zu retten.
Wie wär’s zum Beispiel mit einer sinnvollen Spende zu Weihnachten statt einem Geschenk? Dazu gibt es eine Spendenurkunde für den Beschenkten. Oder Sie organisieren zu Weihnachten eine Spendenaktion – privat, im Verein oder in der Schule. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen noch auf der Suche nach besonderen Kundengeschenken sind: Mit „Unternehmen Weihnachtsspende“ haben Sie die Möglichkeit, mit einem ungewöhnlichen Geschenk zu überraschen. Schließlich gibt es die klassische Gelegenheit einer Spende zu Weihnachten.
https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/spenden-zu-weihnachten

Brot für die Welt
Im Mittelpunkt der Arbeit des Hilfswerks steht die Förderung von Projekten in den Ländern des Südens. Dabei arbeitet die Organisation eng mit lokalen, oft kirchlichen Partnerorganisationen zusammen. Bei Bedarf unterstützt das Hilfswerk diese auch durch die Entsendung von Fachkräften und Freiwilligen. Durch Lobby-, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit in Deutschland und Europa wird versucht politische Entscheidungen im Sinne der Armen zu beeinflussen und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise zu schaffen.
https://www.brot-fuer-die-welt.de/so-helfen-sie.html

Deutsches Kinderhilfswerk
Schenken Sie etwas Sinnvolles. Im Spenden-Shop des Kinderhilfswerkes finden Sie sechs Beispiele für die ganz konkrete Hilfe für Kinder in Armut. Kaufen Sie ein, was Sie möchten und für am Sinnvollsten halten. Über die Spende erhalten Sie eine Dankes-Urkunde – entweder zum Behalten oder zum Weitergeben an Menschen, in deren Namen Sie eine gute Tat schenken möchten!
https://www.dkhw.de/spenden/spendenshop/

Kinder helfen Kindern
Kinder freuen sich ja bekanntlich besonders über Geschenke – das seht ihr bestimmt genauso wie wir. Daher haben wir uns überlegt, dass es in Deutschland sicher viele Kinder gibt, die so viele Sachen besitzen, dass sie davon gerne etwas abgeben – und zwar an Kinder in Osteuropa, denen es nicht so gut geht.
Im Jahr 2000 starteten wir daher mit der so genannten Paket-Aktion – und ganz viele Kinder in Deutschland machten mit. Insgesamt konnten wir so 650 Kinder in Bulgarien glücklich machen. Weil die Aktion so gut ankam, rufen wir seitdem jedes Jahr Kinder in ganz Deutschland dazu auf, in der Vorweihnachtszeit Pakete zu packen und diese an den ADRA-Sammelstellen abzugeben.
http://www.kinder-helfen-kindern.org/index.html

Krebsgesellschaft NRW
Die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V. setzt sich seit mehr als 60 Jahren für die Verbesserung der Versorgung krebskranker Menschen ein.
Die Gesellschaft finanziert sich durch Zuwendungen des Landes NRW und durch Spenden. Die Krebsgesellschaft NRW veranstaltet Tagungen, wissenschaftliche Symposien und Kongresse für onkologisch tätige Berufsgruppen.
http://www.krebsgesellschaft-nrw.de/g_spenden

Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen
Ziel der Lebenshilfe ist die Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung und ihrer Familien in unserer Gesellschaft. Sie setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch mit geistiger Behinderung so selbstständig wie möglich leben kann, und dass ihm so viel Schutz und Hilfe zuteil wird, wie er für sich braucht. Maßgebend sind die individuelle Persönlichkeit und die Bedürfnisse, die sich aus Art und Schwere der Behinderung ergeben.
http://www.lebenshilfe-nrw.de/de/buergerschaftliches_engagement/index.php

missio
Das Internationale Katholische Missionswerk missio ist eines der größten Hilfswerke in Deutschland und fördert den Aufbau der katholischen Kirche und die Ausbildung seiner Mitarbeiter in über 80 Ländern in Afrika, Asien und Ozeanien. Mit 49 Millionen Euro finanzierte missio in 2014 rund 850 Einzelmaßnahmen. missio investiert in Ordensleute, Priester und Laien, die Bedürftigen helfen und damit die Welt verändern.
https://www.missio-hilft.de/de/unterstuetzen/

NABU
Der NABU setzt sich in Deutschland, aber auch weltweit dafür ein, die Vielfalt unserer Tier- und Pflanzenwelt für unsere Kinder und Enkelkinder zu bewahren. Dabei brauchen wir Ihre Hilfe. Unterstützen Sie jetzt eines unserer Projekte mit einer Spende! Natürlich freuen wir uns auch über Spenden, die Sie an kein spezielles Projekt knüpfen. Diese freien Spenden setzt der NABU dort ein, wo die Natur unsere Hilfe dringend benötigt.
https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/spenden/

SOS Kinderdörfer weltweit
Spenden statt schenken? Spenden UND schenken – beides ist möglich! Hier finden Sie Ideen für sinnvolle Geschenke mit Herz. Ob zu Weihnachten oder zum Geburtstag: Wenn Sie Spenden schenken, bereiten Sie doppelt Freude!
Sie suchen ein Geschenk? Nicht irgendeinen Schnickschnack, den kein Mensch braucht, sondern ein sinnvolles Geschenk? Dann haben die SOS-Kinderdörfer einige Geschenkideen für Sie! Ob zu Weihnachten, Geburtstag oder Muttertag: Eine Spende oder eine SOS-Patenschaft können Sie auch verschenken oder sich selbst von Ihren Lieben wünschen: Sinnvolle Geschenke, die Menschen mit Herz Freude bereiten und Kindern in Not helfen!
http://www.sos-kinderdoerfer.de/helfen/spenden/geschenke

UNICEF
SPENDEN STATT GESCHENKE ZU WEIHNACHTEN

Weihnachten ist der beste Anlass, Ihr Engagement für UNICEF auch Ihrer Familie und Ihren Freunden zu zeigen. Mit einer Spende schenken Sie Kindern eine Zukunft. Auch als Unternehmen können Sie mit der Aktion “Spenden statt Geschenke” Partnern und Mitarbeitern zu Weihnachten Ihr Engagement zeigen.
http://www.unicef.de/spenden/weihnachten-spenden-statt-geschenke

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Schenken & Spenden für die Flüchtlingshilfe

arche noVa
Initiative für Menschen in Not

arche noVa steht seit 1992 für weltweite Hilfsprojekte. Die Initiative unterstützt diejenigen, die ohne eigene Schuld durch Krisen, Konflikte und Naturkatastrophen in Not geraten. Indem sie für sauberes Trinkwasser sorgt, leistet die Initiative schnelle und nachhaltige Hilfe – für mehr Gesundheit, Ernährungssicherheit und die Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben.
https://arche-nova.org/de

Aktion Deutschland hilft
Bündnis deutscher Hilfsorganisationen

Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Gewalt und Verfolgung. Die Hilfsorganisationen von Aktion Deutschland Hilft lassen die Menschen nicht im Stich und helfen ihnen auf den Stationen ihrer Flucht: in den Herkunftsländern, den Durchgangsländern und in Deutschland.
http://www.aktion-deutschland-hilft.de

Deutsches Rotes Kreuz
Das DRK ist Teil einer weltweiten Gemeinschaft, die Opfern von Konflikten und Katastrophen Hilfe gewährt, allein nach dem Maß ihrer Not. Im Zeichen der Menschlichkeit setzen wir uns für das Leben, die Gesundheit und die Würde aller Menschen ein. Beinahe 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht oder haben ihre Heimat unfreiwillig verlassen. Fluchtgründe gibt es viele. Für das DRK ist entscheidend: Flüchtlinge sind Menschen, die aus extremen Situationen kommen, oft Grausames erlebt haben und vor völlig neuen und unklaren Situationen stehen.
http://www.drk.de/aktuelles/fokusthemen/fluechtlingshilfe.html?gclid=CMLekqGW08gCFQrpwgodVWwJpg

Diakonie Katastrophenhilfe
Flüchtlinge in Not

Unter lebensbedrohlichen Umständen fliehen Menschen vor Krieg und Menschenrechtsverletzungen in ihren Heimatländern und suchen Zuflucht in Europa. Auf dem Land- und auf dem Seeweg ziehen die Vertriebenen Richtung Griechenland, Serbien und in nördliche EU-Staaten. Die Mehrheit der Geflüchteten ist sehr arm, vor allem benötigen sie Wasser, sanitäre und medizinische Versorgung. Die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner versorgen sie mit dem Nötigsten.
http://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/hilfe-weltweit/uebersicht-aller-projekte/fluechtlinge-in-not.html?gclid=CL2Dt9qV08gCFReZGwodt8oMjQ

UNICEF
Flüchtingskinder in Not: Helfen Sie Jetzt!

Weltweit waren noch nie so viele Kinder auf der Flucht. Allein in Syrien haben zwei Millionen Mädchen und Jungen durch Krieg und Gewalt ihr Zuhause verloren. Die meisten Flüchtlingsfamilien versuchen, in ihrer Heimatregion zu überleben. Andere nehmen aus Verzweiflung den gefährlichen Weg nach Europa auf sich. UNICEF setzt sich für Flüchtlingskinder in Not wie  in Syrien oder dem Irak ein.
http://www.unicef.de/informieren/projekte/-/fluechtlingskinder/83204?sem=1&gclid=CMix-IeV08gCFYU_Gwod52oFiA

UNO Flüchtlingshilfe
Eine ist fast nichts – für Flüchtlinge bedeutet sie alles
Wenn Menschen vor Krieg und Gewalt fliehen müssen, verlieren sie oft von einer Minute zur nächsten alles, was ihnen einmal lieb und teuer war. Plötzlich fehlt es am Nötigsten, es herrschen Chaos und Verzweiflung. Die Flüchtlingslager von UNHCR sind für viele Flüchtlinge weltweit die letzte Überlebenschance. Dort finden die erschöpften Menschen Schutz und einen sicheren Zufluchtsort. Sie werden medizinisch versorgt und erhalten etwas zu essen und zu trinken. Besonders wichtig: eine Unterkunft – gerade jetzt zur kalten Jahreszeit. Eine einfache Plastikplane schützt vor Kälte, Schnee und Regen. Ein Zelt schenkt Flüchtlingsfamilien ein Heim auf engstem Raum.
https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/zuflucht.html
Unternehmen helfen
Zur Weihnachtszeit haben Unternehmen wieder die Gelegenheit, sich mit einfachen Aktionen sinnvoll und wirkungsvoll zu engagieren, bspw. im Bereich der Winterhilfe für syrische Kinder oder im Bildungsbereich.
https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/aktiv-werden/unternehmen/weihnachtsaktion.html

Welthungerhilfe
Fast 60 Millionen Menschen weltweit mussten ihr Zuhause zurücklassen und sind auf der Flucht. Die Mehrheit sind Vertriebene in ihren eigenen Heimatländern oder Flüchtlinge in Nachbarländern. Die Welthungerhilfe ist in vielen dieser Länder aktiv und unterstützt tausende Familien beim Neuanfang. So verteilt sie zum Beispiel dringend benötigte Nahrungsmittel und Kleidung und auch langfristige Verbesserungen sind ein wichtiger Teil ihrer Arbeit.
http://www.welthungerhilfe.de/fluechtlinge-spenden.html?gclid=COXRiLGV08gCFRKeGwodbDMEzg

Weitere Organisationen der Flüchtlingshilfe, die Spenden entgegen nehmen, listet das DZI (http://www.dzi.de/wp-content/pdfs_Spendentipps/Spenden-Info_Fl%C3%BCchtlinge.pdf) auf und gibt allgemeine Tipps, was es bei der finanziellen Hilfe zu beachten gilt. Mehr zum Thema Flüchtlingshilfe und Beispiele für vorbildliche Initiativen in Nordrhein-Westfalen bietet das Themenspecial „Hinweis auf Themenspecial „Flüchtlingshilfe in NRW – aktiv vor Ort“ (https://www.nrw-denkt-nachhaltig.de/themenspecial-fluechtlingshilfe-in-nrw-aktiv-vor-ort/).

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Alternativen zum klassischen Spenden, Crowdfunding & Charity Shopping

betterplace.org
Keine Lust auf klassische Geschenke? Schenke Deiner Oma diese Weihnachten doch mal einen Kapuzenpulli – oder Deinem besten Kumpel ein Kinderfahrrad!
Jetzt auf betterplace.org einfach für einen Kapuzenpulli oder ein Kinderfahrrad spenden und die Spende verschenken – in Form einer schönen Weihnachtskarte. Der Beschenkte kann selbst nachsehen, was das Geschenk bewirkt und den Fortschritt des Projekts mitverfolgen.
https://www.betterplace.org/c/neues/weihnachten-geschenke-spenden-betterplace/

OxfamUnverpackt: Schenken mal ganz anders!
OxfamUnverpackt ist der originelle Online-Geschenkkatalog von Oxfam Deutschland e.V. Mit Geschenkideen für Menschen, die schon alles haben, kann man gleichzeitig diejenigen unterstützen, die so gut wie nichts besitzen.
Verschenkt man mit OxfamUnverpackt beispielsweise eine Ziege oder ein Klassenzimmer, unterstützt man mit dieser Spende direkt Oxfams Projekt- und Kampagnenarbeit. Jedes Geschenk gehört in einen von fünf Bereichen: Bildung fördern, Existenzen sichern, Gesundheit stärken, Gehör verschaffen oder Not lindern. Wer ein Geschenk kauft, unterstützt damit Oxfams gesamte Arbeit im jeweiligen Bereich. Das Geld geht immer dorthin, wo es gerade am dringendsten gebraucht wird. Die Beschenkten in Deutschland bekommen eine Grußkarte mit originellem Kühlschrankmagnet, auf dem das jeweilige Geschenk-Motiv abgebildet ist.
Der Kauf dieser „Geschenke” bei OxfamUnverpackt ist rechtlich eine Spende, also steuerlich absetzbar. Oxfam Deutschland stellt dazu Zuwendungsbestätigungen aus.
http://www.oxfam.de/spenden/unverpackt

Im Gespräch mit NRW denkt nach(haltig) (http://archiv.nrw-denkt-nachhaltig.de/blog/?p=6823) erklärt Ulrich Schlenker von Oxfam Deutschland, das Konzept und hinter dem Projekt und gibt weitere nachhaltige Geschenkideen.

Crowdfundinggroupe mains souriantes : crowdfunding
Beim Crowdfunding kommt die Spende vor dem Geschenk. Mit ihrer finanziellen Unterstützung sorgen Spender beim Crowdfunding dafür, dass Ideen zu Projekten oder Produkten werden. Hat die Kampagne Erfolg, erhalten die Geldgeber(innen) selbst ein kleines Geschenk, entsprechend der Höhe ihrer Unterstützung. Viele Crowdfunding Projekte haben einen kommerziellen Hintergrund, aber einige Plattformen richten sich speziell an Menschen die Projekte und Produkte mit sozialem und ökologischem Hintergrund unterstützen möchten.

Gemeinschaftscrowd
Die „Gemeinschaftscrowd“ (https://www.nrw-denkt-nachhaltig.de/gemeinschaftscrowd/) der GLS Bank richtet sich an gemeinnützige Vereine und Institutionen. Sie können auf der Plattform die Projekte vorstellen, für die sie Finanzierung brauchen. Hat die Aktion Erfolg, wird das Geld an die Projektinitiator(inn)en ausgezahlt. Wird die volle Summe nicht erreicht, erhalten die Unterstützer(innen) ihr Geld zurück, das bis dahin von der GLS Treuhand aufbewahrt wurde.

Aktuell sammelt die Medizinische Flüchtlingshilfe aus Bochum Geld für eine mobile Beratungsstelle für Flüchtlinge. (https://www.gemeinschaftscrowd.de/mobile-beratung) Sie soll direkt an den Unterbringungseinrichtungen in Bochum und Umgebung Informationen und psychosoziale Beratung anbieten sowie medizinische, therapeutische und juristische Unterstützung vermitteln. Viele Geflüchtete haben Gewalt, Terror und Folter im Heimatland oder auf der Flucht erfahren und benötigen dringend Unterstützung. Aber nur wenige erhalten Zugang zu Informationen und einer professionellen und unabhängigen Beratung, da es diese an den allermeisten Unterbringungseinrichtungen nicht gibt. Mit der mobilen Beratungsstelle soll ein wichtiger Schritt unternommen werden, damit Geflüchtete ihre Isolation überwinden und die Unterstützung erhalten, die sie individuell benötigen, um die traumatischen Erfahrungen verarbeiten und einen positiven Zukunftsentwurf für Ihr Leben in Deutschland entwickeln zu können. Bis zum 2. Dezember soll die Zielsumme von 23.050 Euro erreicht werden.

EcoCrowd
Mit der Plattform EcoCrowd (www.ecocrowd.de) wollen Bundesumweltamt und das Umweltministerium Crowdfunding im Nachhaltigkeitsbereich möglich machen. Anders als bei der Gemeinschaftscrowd erhält der Projektinitiator trotzdem sein Geld und jeder Unterstützer sein Tauschgut, auch wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wird. Damit können Projekte und Ideen zumindest ein Stück weiter getragen werden.
https://youtu.be/HS-6SwHCpBg .
Aktuell läuft auf der EcoCrowd zum Beispiel eine Kampagne für das Projekt „Ein Baum für jedes Kind“ (https://www.ecocrowd.de/en/projects/24188-Ein-Baum-fur-jedes-Kind). Engagierte der Deutschen Umweltstiftung organisieren im nächsten Jahr bundesweit Baumpflanzaktionen mit Schülern. Momentan stehen über 900 Schulen auf der Warteliste der Baumpflanzaktion! Es fehlt jedoch an finanziellen Mitteln, um allen Schülern die Teilnahme zu ermöglichen. Unterstützer erhalten als Tauschgut z.B. ein Pflanzset um selbst ihren Garten oder Balkon zu begrünen.

Mehr Informationen zu den Themen Crowdfunding und Crowdsourcing bietet der Artikel „Wie Crowdsourcing hilft, Nachhaltigkeit zu fördern“ im Handbuch von NRW denkt nach(haltig). (http://archiv.nrw-denkt-nachhaltig.de/blog2/?p=695#more-695)

Charity Shopping
Online Geschenke einkaufen und spenden in Einem ist beim so genannten „Charity Shopping“ möglich. Eigentlich ändert sich für den Käufer beim Charity Shopping nicht viel, außer die Seite über die er in seinen Online-Shop gelangt. Seiten wie „Planet Help“ (https://planethelp.com/de) oder „Gooding“ (https://planethelp.com/de) haben Partnerschaften mit Hilfsorganisationen und Online-Shops. Wer diese Seiten besucht, kann auswählen, welche Hilfsorganisationen durch seinen Einkauf unterstützt werden sollen sowie den Shop in dem sie einkaufen wollen. Die Charity-Shopping-Seite leitet die Einkaufenden dann auf die Seite des entsprechenden Online-Shops weiter. Durch Cookies – die im Browser zugelassen sein müssen – wird erkannt, dass man von einer Charity-Shopping-Seite kommt und der Shop-Besitzer bezahlt dieser Seite Geld für die Weiterleitung. Ein Teil dieser Summe wird dann der vom Käufer ausgewählten Initiative gespendet. Außerdem gibt es Modelle, bei denen Anteile des Einkaufswerts gespendet werden. Für den Käufer wird das Produkt dabei aber nicht teurer. Mehr Charity-Shopping-Seiten stellt reset.org (http://reset.org/act/nebenbei-spenden-dank-charity-shopping) vor. Tipps, was es beim Charity-Shopping zu beachten gilt, gibt das DZI. (http://www.dzi.de/wp-content/pdfs_Spendentipps/Social%20Shopping.pdf)

Themenspecial „Nachhaltigkeit & IKT-Hardware“

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Okt 202015
 

Konsumentinnen und Konsumenten haben heute die Möglichkeit, zahlreiche fair und umweltschonend produzierte Produkte zu kaufen. Vom fairen Kaffee bis zum T-Shirt aus Biobaumwolle ist alles dabei. Und auch wenn es nach wie vor eine Herausforderung ist, sich in der Vielfalt der Siegel zu orientieren und Konsumgüter zu kaufen, die bei ihrer Produktion und Handel Umwelt und Mensch schonen, sind Alternativen zu konventionell produzierten Produkten verfügbar.

Im Bereich der IKT-Hardware sieht dies anders aus. Hier haben die Konsument(inn)en nur selten die Möglichkeit alternativ einzukaufen. Im Elektrofachhandel gibt es keine Abteilungen und/oder Regale mit fair & umweltverträglichen hergestellten Geräten. Die angebotenen Waren unterscheiden sich nach Marke, Leistung und Preis, nicht nach konventionell, bio und fair. Die in den Geräten verbauten Materialien werden global eingekauft und verbaut. Für Verbraucher(innen) ist der Produktionsweg somit nicht nachvollziehbar. Die Kurzlebigkeit der Produkte, globale Arbeitsabläufe, unzählige Komponenten und massive Müllentsorgung gestalten den bewusst nachhaltigen Konsum kompliziert bis nicht umsetzbar. Zudem  hat der Konsum von Smartphones & Co. für die Menschen in den Rohstoff liefernden, produzierenden und entsorgenden Ländern katastrophale Folgen. Umweltverschmutzung sowie gefährliche und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind die Folgen.

Das Themenspecial „Nachhaltigkeit & Hardware“ geht der Frage nach, welche Möglichkeiten Verbraucherinnen und Verbraucher haben, fair und umweltschonend produzierte und gehandelte IKT-Hardware zu erwerben, informiert über die im Bereich Bürogeräte & Computer relevanten Siegel, stellt beispielhafte Initiativen vor und gibt weiterführende Link-Tipps.

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Siegel im Bereich Bürogeräte & Computer

Blauer Engel und Europäisches Umweltzeichen
Der Blaue Engel für Bürogeräte und Computer und das Europäische Umweltzeichen für Fernseher werden für Geräte mit geringen Umweltbelastungen vergeben.
https://www.blauer-engel.de/de

TCO-Label
Bildschirme, Notebooks, Drucker und Tastaturen, die nach Stand der Technik besondere Voraussetzungen in Bezug auf Umweltmanagement in Herstellerbetrieben, Stromverbrauch, Ergonomie, Umweltverträglichkeit und Wiederverwertbarkeit von Einzelteilen erfüllen, werden mit dem TCO-Label ausgezeichnet. Die zweistellige Zahl gibt Auskunft über das Jahr, aus dem die Prüfkriterien stammen.
http://tcodevelopment.com/

Energy Star
Der Energy Star kennzeichnet energiesparende Bürogeräte: PCs, Bildschirme, Drucker, Faxgeräte, Kopierer, Scanner und Multifunktionsgeräte. Die neuen seit 2007 gültigen Kriterien stellen Anforderungen an die Leistungsaufnahme im Ruhezustand, im Stand-by- und Leerlauf-Modus.
http://www.eu-energystar.org/

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Projekte der Woche

Die Wanderausstellung „KonsumWandel – Wir können auch anders!“
Die Wanderausstellung „KonsumWandel – Wir können auch anders!“ wirft einen Blick auf unseren Lebensstil, zieht Bilanz und fordert zum Wandel auf:  Praxisbeispiele regen zu alternativem Handeln an,  Erwartungen an Politik und Wirtschaft werden formuliert. Die Themen WACHSTUM, FLEISCH und IT-GERÄTE sind Schwerpunkte der Ausstellung. Großflächige Grafiken, Multimediaelemente und eine WORKSTATION ermöglichen vielfältige Zugänge zu einem komplexen und drängenden Thema. Vamos stellt immer wieder die Zusammenhänge der Themen mit dem Rohstoffabbau und den  Herstellungsbedingungen zu unserem Konsum her: Wie können wir vorhandene Ressourcen global gerechter verteilen – sollten wir Wachstum begrenzen? Was macht uns eigentlich glücklich?

Projekt “Nachhaltige IT-Beschaffung in NRW”
Das Projekt richtet sich an Entscheidungsträger/innen aus Verwaltung und Politik, Multiplikator/innen der nordrhein-westfälischen entwicklungs- und umweltpolitischen Nichtregierungsorganisationen und der Gewerkschaften, Fachjournalisten/innen und Fachpublikum sowie an interessierte Bürgerinnen und Bürger in NRW.  Projektaktivitäten sind unter anderem die Erstellung von Studien und Hintergrundmaterialien, Schulungen zu IT-Beschaffung für Beschaffungsverantwortliche, Praxisorientierte Hilfestellungen für die einkaufenden Stellen, Erfahrungsaustausch und Fachtagungen sowie die Beratung und Vermittlung von Expert(inn)en

Blog „Faire Computer“
Das Blog “Faire Computer” informiert über (un)faire Produktion von IKT,
deren Sozialverträglichkeit bei der Rohstoffbeschaffung, der Herstellung
und auch der Entsorgung der Geräte. Wir beschreiben wie der Stand der
Dinge ist, welche Herausforderungen bestehen und wie man dazu kommen
kann, Computer fairer zu produzieren.

NagerIT e.V.
Ziel der Initiative „Nager IT ist eine 100% faire Computermaus. Nach dem Motto »am fairsten > fairer > fair« ist der zweite Schritt bereits geschafft. Die Maus von Nager IT ist die fairste Computermaus weltweit und sie wird immer fairer: So ist die Lieferkette im Jahr Drei nach der Entstehung zu zwei Dritteln fair. Der jüngste Meilenstein konnte mit dem in Österreich produzierten Scrollrad aus Holz gesetzt werden. Auch wenn der soziale Aspekt bei der Fairen Maus eindeutig im Vordergrund steht, berücksichtigt Nager IT so gut es geht auch ökologische Belange, denn nur so kann sich die »Faire Maus« nachhaltig nennen.

Europäische Abfallvermeidungswoche 2015
„Reduce, Reuse, Recycle“ – Unter diesen Schlagworten findet jährlich die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt, initiiert und gefördert durch die Europäische Kommission. Das Europäische Parlament hat die Bedeutung der Ab-fallvermeidungswoche für Europa hervorgehoben, indem es die Schirmherrschaft 2015 übernimmt. Ziel der Aktionswoche ist es, mit lokalen Maßnahmen deutschland- und europaweit für Abfallvermeidung und Wiederverwendung zu sensibilisieren, zum Umdenken aufzurufen und Alternativen zu Ressourcenverschwendung in der Weg-werfgesellschaft aufzuzeigen. Organisationen, Zivilgesellschaft, Verwaltungen, Unternehmen, Sozial- und Bildungseinrichtungen sowie Einzelpersonen haben die Möglichkeit, eigene Projekte und neue Ideen durch Aktionen während der Woche zu präsentieren.

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Weiterführende Linktipps

electronics watch – Organisation für faire Arbeitsbedingungen in der globalen Computerproduktion
Die Organisation untersucht aktuelle Studien über die sich ständig verändernden Facetten der Elektronikindustrie und der öffentlichen Beschaffung, die Arbeitsbedingungen in Fabriken, die neuesten Fortschritte in der Rückverfolgbarkeit von Lieferketten und führt Workshops durch. Sie erarbeitet Standards, die Mitglieder bei Ausschreibungen anwenden können, und arbeitet einen Verhaltenskodex aus, auf den sich Beschaffungsverantwortliche rechtlich berufen können. Das Konsortium wird durch Finanzmittel der Europäischen Union gefördert und arbeitet völlig unabhängig von den Unternehmen, die überprüft werden.
http://electronicswatch.org/de

Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V.
Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF) setzt sich seit 30 Jahren mit den Wechselwirkungen von Informatik und Gesellschaft auseinander.Das Forum besteht aus etwa 700 engagierte Menschen aus Wissenschaft und Praxis, die Fachleute der Informatik und Informationstechnik sind. In zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert der Verein seine Arbeit. Die kritische Computerzeitung FIfF-Kommunikation erscheint vierteljährlich.
http://www.fiff.de/

German Watch
Germanwatch will erreichen, dass Elektronikfirmen faire und nachhaltige IT-Geräte herstellen – vom Design der Geräte über den Abbau der Rohstoffe, von der Herstellung bis zur Entsorgung des Elektroschrotts. Eine lange Nutzung von Geräten ist dabei ein wichtiges Ziel. Die folgenden Publikationen geben einen thematischen Einblick:
Faire und nachhaltige IT: http://germanwatch.org/de/thema/unternehmensverantwortung/faire-und-nachhaltige-it
IT-Recycling: http://germanwatch.org/de/it-recycling
Im Blickpunkt: Das Fairphone: http://germanwatch.org/de/8133
Studie: Noch keine fairen Handys: http://germanwatch.org/de/4956
Im Blickpunkt: Nager IT: http://germanwatch.org/de/8134

Greenpeace
Greenpeace bietet zahlreiche Informationen zum Thema IKT und Umwelt. Die folgenden Artikel bieten zahlreiche Informationen über die Folgen der Herstellung und Entsorgung der IKT-Hardware.
Rubrik „Endlager Umwelt Die Erde – Eine Müllkippe“
Früher oder später landet alles in der Umwelt. Bei Transport, Produktion und Verbrauch von Lebensmitteln, Energie, Industrie- und Konsumgütern entstehen riesige Mengen Abfall. Lesen Sie weiter unter:
https://www.greenpeace.de/konsumbotschaft
Ratgeber „Green IT“
Der Ratgeber für Grüne Elektronik beurteilt 16 führende Elektronik-Hersteller mit ihren Produkten und Praktiken nach Umweltkriterien. Er bewertet keine spezifischen Produkte, sondern die Gesamt-Performance von Unternehmen. Der Ratgeber nimmt die Umweltbelastung des gesamten Herstellungsprozesses unter die Lupe und wirft einen Blick auf die tatsächlich gelebte Nachhaltigkeit bei diesen großen Elektronik-Konzernen. Lesen Sie weiter unter: http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/code/2012/greenerelectronics/greenerelectronics-guide-full.html
Dossier „Endlager Umwelt“
Elektroschrott ist ein wesentliches Umweltproblem. Der Müll aus Europa – alte Handys, Computer und Fernseher – verseucht in Afrika die Böden weit über die jeweiligen Grenzwerte, zum Beispiel mit Blei. In Elektrogeräten stecken hunderte verschiedene Bauteile – und damit auch jede Menge giftige Chemikalien. Das größte Problem sind bromierte Flammschutzmittel und PVC sowie Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber.
http://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt
Dossier „Grünere Elektronik“
Die Chemikalien reichern sich in der Umwelt an und schädigen die Gesundheit – besonders dort, wo unsere ausrangierten Geräte landen: Statt in Recyclinganlagen werden immer noch große Mengen im Müll entsorgt. In Entwicklungsländern zerlegen die Ärmsten der Armen – oft Kinder und Jugendliche – den Elektronikschrott ohne Sicherheitsvorkehrungen und Wissen um die giftigen Substanzen.“
http://www.greenpeace.de/themen/umwelt-wirtschaft/grunere-elektronik

Nachhaltigkeitsblock
Hier notieren Miriam von bitGarden und Sophie von Oh Wunder Gedanken zu verschiedenen Themen rund um den Begriff der Nachhaltigkeit. Die folgenden Artikel widmen sich dem Theam des Themenspecials.
Rubrik „Mobiltelefone und Gold“: http://www.nachhaltigkeitsblock.de/mobiltelefone-und-gold/
Faire Roh­stoffe? Faire Her­stel­lung? Fair ver­kauft? Fair ent­sorgt? Faire Smart­pho­nes & Com­pu­ter sind über­fäl­lig – aber gar nicht so ein­fach her­zu­stel­len… Faire-IT-Experte Sebas­tian Jekutsch sprach mit uns über den aktu­el­len Stand von Fair­Phone, Nager IT & Co – und wohin die Ent­wick­lung gehen muss: http://www.nachhaltigkeitsblock.de/fairphone-co-fairtrade-im-elektromarkt/#more-3988

Oeko-fair.de – Das Internet-Portal zum öko-fairen Handel(n)
Oeko-fair.de ist ein Informationsangebot der Verbraucher Initiative e.V. Die Seite wurde seit dem Jahr 2002 mit Mitteln der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (2002 und 2004), des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes (2003), des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (seit 2006) sowie Eigenmitteln der Verbraucher Initiative e.V. erstellt. Die folgenden Rubriken greifen das Thema des Specials auf:
Rubrik „Computer“: http://www.oeko-fair.de/wohnen-arbeiten/computer2
Rubrik „ÖkoFair im Büro“ / Computer, Fax & Co.: http://www.oeko-fair.de/clever-konsumieren/wohnen-arbeiten/oeko-fair-im-buero/computer-fax-und-co/computer-fax-und-co2

Online-Spiel „Handy-Crash“
»Handy Crash« ist ein Online-Game, das entwicklungspolitische Inhalte vermittelt. Es informiert über globale Verflechtungen, wechselseitige Abhängigkeiten und persönliche Betroffenheit im Bereich der Handy-Produktion. Im Spiel erfährt man, dass wertvolle Rohstoffe in Smartphones verbaut sind und dass der Rohstoffabbau rasant vorangetrieben wird – ohne Rücksicht auf die lokalen Bevölkerungen und die Umwelt. Anbieter des Spiels sind Germanwatch e.V. und SODI – Solidaritätsdienst International e.V. Realisiert wurde das Spiel durch FLMH | Labor für Politik und Kommunikation Lohmaier | Mueller von der Haegen | Wieland | GbR.
Das Spiel steht kostenlos zur Verfügung unter: http://www.handycrash.org/.

Kampagne „PC GLOBAL“
Seit vielen Jahren setzt sich WEED – Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung e.V. für Arbeitsrechte und Umweltgerechtigkeit in der Elektronikindustrie ein. 2005 startete dessen Kampagne PC Global. Ab 2008 leitete WEED die europäische Kampagne procureITfair. Diese forderte öffentliche Einrichtungen auf, beim Einkauf von ITK-Produkten soziale und ökologische Mindestanforderungen zu berücksichtigen. Auch am Nachfolgeprojekt von procureITfair, Electronics Watch, ist WEED wieder beteiligt. Auf der Website pcglobal.org finden sich aktuelle Informationen und Neuigkeiten aus dem Bereich der Elektronikproduktion. Alle Materialien der abgeschlossenen Projekte „PC Global“ und „procureITfair“, wie Broschüren, Bildungs-CDs und Filme wie neues Infomaterial von WEED sind verfügbar unter: http://www.pcglobal.org/.

Stiftung Jugend und Bildung
Reportage Kleines Handy – Große Wirkung“
Das Medienpaket „MitVerantwortung“ will auf die Bedeutung, Notwendigkeit und Aktualität von Verantwortung in einer globalisierten Welt aufmerksam machen. Das Projekt wird von der Stiftung Jugend und Bildung entwickelt und vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gefördert. Es ist Teil des nationalen CSR-Aktionsplanes der Bundesregierung.
http://csr.jugend-und-bildung.de/webcom/show_article.php/_c-850/_cmt-3924972db319f9aa9d1f9eb11548af8e/i.html

Flüchtlingshilfe in NRW – aktiv vor Ort

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Sep 202015
 

Wie das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung feststellte, steigt mit der Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge auch das Engagement für sie in Deutschland. Viele der Initiativen sind spontan und selbst organisiert. Ein Blick auf die von PRO ASYL veröffentlichte Karte zeigt, ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge gibt es überall:

Im vergangenen Herbst hat NRW denkt nach(haltig) im Themenspecial „Nachhaltig zusammenleben“ auf Informationsangebote und Projekte hingewiesen, die die Integration von Flüchtlingen vor allem durch Bildungsarbeit in der deutschen Gesellschaft fördern. Nun rücken wir konkrete Hilfsprojekte für die in diesem Jahr in NRW erwarteten Flüchtlinge in den Fokus und stellen Qualifizierungsangebote und Finanzierungsmöglichkeiten für die Flüchtlingshilfe vor. Angesichts des großen zivilgesellschaftlichen Engagements für Flüchtlinge können die in diesem Themenspecial vorgestellten Institutionen, Projekte und Angebote nur eine sehr kleine Auswahl der an vielen Orten existierenden und neu gegründeten Initiativen darstellen.

Informationen und Anlaufstellen

Flüchtlingsrat NRW
Der Flüchtlingsrat NRW e.V. ist ein offenes und unabhängiges Netzwerk von Asylarbeitskreisen, Flüchtlingsinitiativen und -räten, Selbstorganisationen und Einzelpersonen. Er fungiert auch als Interessenvertretung von Flüchtlingen gegenüber Behörden und setzt sich für die Förderung der Völkerverständigung ein. Auf der Website des Vereins finden sich z.B. Terminankündigungen, Hinweise auf Kampagnen, Petitionen und Positionspapiere zur Flüchtlingspolitik sowie ein „A-Z“ rund um das Asylrecht. Innerhalb des „A-Z“ bietet der Flüchtlingsrat außerdem aktuelle Informationen zur Situation in einzelnen Herkunftsländern und zu der sich daraus ergebenden rechtlichen Lage der Asylsuchenden. Hilfreich ist auch das aktuelle Adressenverzeichnis von behördenunabhängigen Beratungsstellen und Initiativen für Flüchtlinge in NRW, das durch den Flüchtlingsrat zusammen gestellt wird.

GGUA Flüchtlingshilfe Münster
Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. (GGUA) engagiert sich seit über 30 Jahren in und um Münster mit unterschiedlichen Beratungsangeboten und Initiativen für die Unterstützung und Integration von Flüchtlingen. So werden Asylsuchende und Angekommene bei ihrem Weg durch den Behördendschungel bzw. bei der Arbeitssuche begleitet. Zum Informationsaustausch und Kennenlernen werden das „internationale Quasselcafé“ und das TIB-Café angeboten. Mit dem Workshop-Programm „Flucht und Asyl“ geht die GGUA auch in Schulen und leistet politische Aufklärungsarbeit. Koordiniert wird durch die GGUA ebenfalls ein Patenprojekt für Flüchtlingskinder.

Informationsangebote des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet online Informationsportale für Menschen, die neu in Deutschland sind. Wer plant nach Deutschland zu ziehen, um Schutz zu suchen, zu studieren, zu arbeiten oder zu Familienmitgliedern zu ziehen kann sich unter „Migration nach Deutschland“ über Möglichkeiten und Bestimmungen informieren. Erste Orientierung für Menschen, die frisch nach Deutschland gekommen sind, gibt es in der Rubrik „Willkommen in Deutschland“. Dort finden sich grundlegende Informationen und Kontakte zu Themen wie Aufenthaltsrecht, Bildung, Wohnung und Arbeitssuche, die helfen sollen, sich schnell in Deutschland zu Hause zu fühlen. Informationen stehen auf Deutsch, Englisch, Russisch und Türkisch bereit.

Leitfaden „Herzlich Willkommen“ von PRO ASYL
Die Menschenrechtsorganisation PRO ASYL setzt sich für die Rechte von Flüchtlingen und Verfolgten ein. In der Broschüre „Herzlich Willkommen“ gibt PRO ASYL grundsätzliche Informationen zur rechtlichen Lage von Asylsuchenden und allgemeine Denkanstöße für eine menschenwürdigere Flüchtlingspolitik in Deutschland, illustriert von vielen positiven Beispielen aus ganz Deutschland. Privatpersonen, die sich für Flüchtlinge engagieren wollen, finden dazu jeweils Tipps, wie sie die Entwicklung einer Willkommenskultur unterstützen können und an welchen Stellen ihr Einsatz besonders gebraucht wird.

Refugee-Guide
Kein Land kommt mit Bedienungsanleitung und eine solche für Deutschland zu schreiben, ist nicht gerade einfach. Ein Crowdsourcing Projekt hat es dennoch versucht und den Refugee-Guide entwickelt. In bisher zehn Sprachen erfährt man alles, was die erste Orientierung in Deutschland einfacher macht. Der Guide kann online gelesen oder als PDF herunter geladen werden. Wer den Guide in großen Stückzahlen braucht, kann sich an eine Liste von Druckereien wenden, die sich bereit erklärt haben, die Broschüren auf Anfrage kostenlos zu drucken.

Ich helfe NRW
Frisch gestartet ist die Website www.ich-helfe.nrw. Auf dem Web-Portal können sich Institutionen und Projekte der Flüchtlingshilfe eintragen und angeben, in welchen Bereichen sie Unterstützung brauchen. Ausgewählt werden kann zwischen „Sachspenden“, „Zeitspenden“ und „Dolmetschen“ mit jeweils passenden Unterkategorien. Nach den entsprechenden Kriterien können dann auch Hilfswillige recherchieren, wo in ihrem Umfeld Unterstützung benötigt wird.

Vorbildliche Projekte

Ausgezeichnete Flüchtlingsprojekte in NRW
Mitte August 2015 wurden vier Flüchtlingsprojekte aus NRW mit dem Integrationspreis der Bezirksregierung Arnsberg ausgezeichnet. Gisela Krambich erhielt 2.000 Euro für ihr Engagement für Asylbewerber in Möhnesee. Ihre Arbeit hat auch dazu beigetragen, dass in der Gemeinde ein Arbeitskreis „Flüchtlinge“ gebildet wurde. Der „Freundeskreis Eilmser Wald e.V.“ kümmert sich um Asylbewerber(innen), die in einer Unterkunft in der Gemeinde Welver leben. Der Verein unterstützt sie in der Zeit ihres Antragsverfahrens und trägt dazu bei, dass sie in ihrer Unterkunft weniger isoliert sind. Im Dortmunder Norden engagiert sich der 75-Jährige Bruno Rschia für die Sprachförderung von jugendlichen Flüchtlingen. Er hat selbst Migrationserfahrung und ist zu einer Bezugsperson für sie geworden. Ebenfalls in Dortmund unterstützt der „komm-kids-com e.V.“ Kinder von Einwanderern bei den Hausaufgaben und macht Freizeitangebote. Darüber hinaus wurden Auszeichnungen an kommunale Akteure vergeben, die ehrenamtliche Arbeit in ihrer Region fördern.

Willkommen in Mülheim: Warenhaus für Sachspenden
Die Initiative „Willkommen in Mülheim“ ist mittlerweile zum Aushängeschild der Flüchtlingshilfe nicht nur in Nordrhein-Westfalen sondern in ganz Deutschland geworden. Freiwillige helfen in einem Warenhaus bei der Annahme und Verteilung von Sachspenden und organisieren eine Vielzahl von Veranstaltungen, bei denen sich Mülheimer(innen) und die neu Angekommenen kennen lernen können. Mittlerweile steht das Projekt unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Weitere „Willkommen“-Aktionen finden sich in NRW zum Beispiel in Essen und Castrop-Rauxel.

Sei dabei! Für Dich – Für Mich – Für Alle
Das Projekt „Sei dabei! Für Dich – Für Mich – Für Alle“ der Stiftung KalkGestalten setzt sich für ehrenamtliches Engagement von Migrant(inn)en in Köln ein. Es richtet sich an Teilnehmer(innen) von Integrationskursen sowie an Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen. Junge Frauen, die z.B. nach ihrer Flucht aus dem Irak oder Syrien in einem Kurs des Integrationshaus e.V. Deutsch gelernt haben, besuchen regelmäßig Bewohner(innen) des Seniorenheims St. Theodor in Köln. Dabei üben sie ihre Sprachkenntnisse im Kontakt mit Deutschen, stärken ihr Selbstbewusstsein und helfen Vorurteile abzubauen.

Kölner Aktionsbündnis Türauf  
#türauf (sprich: Hashtag Tür auf) ist ein Aktionsbündnis engagierter Kölner aus Gesellschaft, Wirtschaft, Religion und Kultur sowie ein gleichnamiges Veranstaltungskonzept. Ziel ist es, die Willkommenskultur für Flüchtlinge in Köln und über die Stadtgrenzen hinaus zu fördern und gemeinsam Zeichen zu setzen für Akzeptanz und Bürgerengagement. #türauf rief zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2015 alle Kölner dazu auf, in der ganzen Stadt – im wahrsten Sinne des Wortes – ihre Türen zu öffnen, in Eigenregie Aktionen zu organisieren und Menschen dazu einzuladen. Der Hashtag im Namen #türauf stellt die aktive Komponente und den viralen Charakter der Aktion heraus.

STAY! Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative
Die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative STAY! kümmert sich seit ihrer Gründung ehrenamtlich um die medizinische Versorgung von Menschen ohne Papiere. Dies geschieht über das „Medinetz“, das wöchentlich zwei offene Sprechstunden für Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus anbietet. Zugewanderte werden außerdem zu Fragen des Asylrechts oder in Fällen von Diskriminierung beraten. Kinder werden besonders unterstützt, mit kostenlosen Sprachkursen und Freizeitaktivitäten. Außerdem setzt sich STAY dafür ein, ihnen den Kindergarten-, Schulbesuch oder den Ausbildungsbeginn zu ermöglichen.

Kultur und Kennenlernen

Interkulturelle Woche und Tag des Flüchtlings
Am 2. Oktober 2015 fand im Rahmen der Interkulturellen Woche der Tag des Flüchtlings statt. Das diesjährige Motto lautet: „Refugees Welcome!“.  Zum Tag des Flüchtlings rief PRO ASYL dazu auf, Flüchtlinge willkommen zu heißen und Integration zu ermöglichen. Die Botschaft: Flüchtlinge sind keine Last, sie sind eine Chance.

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Postkarte zur Interkulturellen Woche 2015

Ausstellung: Nirgendwo ist hier
Vom 18. Mai bis 30. November 2015 macht die Wanderausstellung „Nirgendwo ist hier“ im Kolping Jugendwohnen Köln-Mitte Station. Zu sehen sind über 100 fotografische Arbeiten von Studierenden, die sich mit Fragen auseinander gesetzt haben wie „Was nimmt man mit, wenn man nicht weiß, wohin man geht?“. Der Flüchtlingsrat NRW hat die Ausstellung zum Thema Migration gemeinsam mit Studierenden der ecosign/Akademie für Gestaltung aus Köln, der Fachhochschule Bielefeld und der Fachhochschule Dortmund initiiert. Die Ausstellung war bereits in mehreren Städten NRWs zu sehen. Gefördert wurde sie von der Amadeu Antionio Stiftung. Einen Blick in die Ausstellung kann man hier werfen.

#ourstories – „Willkommen in Agnes“
„Gegen das Fremde hilft nur das Kennenlernen“ haben sich engagierte Bewohner(innen) des Kölner Agnesviertels gedacht und haben die Geschichten von Flüchtlingen gesammelt, in denen sie von den Gründen ihrer Flucht und ihren Wünschen für die Zukunft erzählen. Sichtbar werden die Geschichten als Plakate rund um die St. Agnes Kirche. Die Gestaltung haben so genannte „Graphic Recorder“ übernommen, die ansonsten professionell Ergebnisse von Meetings und Konferenzen visualisieren. Die Plakate und Geschichten sind online auf einem Blog dokumentiert. Seit dem 20. September 2015 sind die Geschichten rund um die Kölner Agneskirche ausgestellt. Martin Haussmann, Geschäftsführer der bikablo® akademie, der die Aktion mit initiiert hat, erklärt im Gespräch mit NRW denkt nach(haltig) die Hintergründe und Ideen von #ourstories und stellt die Methode des „Graphic Recordings“ als Kommunikationsmittel vor.

Plakat aus dem Projekt #ourstories  CC-BY-ND Wibke Ladwig Visualisierung: Martin Haussmann

Plakat aus dem Projekt #ourstoriesCC-BY-ND Wibke Ladwig Visualisierung: Martin Haussmann 

Noch mehr Flüchtlingshilfe in NRW

Die Landesregierung NRW stellt auf ihrer Website allgemeine Hinweise zur Flüchtlingshilfe zusammen, informiert über die Initiativen der Regierung zur Unterstützung von Geflüchteten und ehrenamtlich Engagierten und stellt weitere Initiativen aus ganz NRW vor.

Der WDR hat ein umfassendes Dossier zusammengestellt, das Möglichkeiten zu Hilfe und Engagement für Flüchtlinge in allen Regionen Nordrhein-Westfalens auflistet. Das Angebot wird kontinuierlich erweitert. Ebenfalls beim WDR finden sich Berichte über die Flüchtlingshilfe in NRW, z.B. davon, wie die Sporthalle der Uni Siegen zur Flüchtlingsunterkunft wurde oder wie in Münster für Flüchtlingskinder Kunsttherapie angeboten wird.

Initiativen der Flüchtlingshilfe an nordrhein-westfälischen Hochschulen können sich auf der Website des Wissenschaftsministeriums NRW eintragen und ihre Arbeit vorstellen. Bereits eingetragene Initiativen sind über eine Datenbank recherchierbar.

Fortbildungen für Helfer(innen)

Qualifizierung für Flüchtlingsberatung „Projekt Q“
Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. (GGUA) bietet bundesweit Qualifizierungen für die Flüchtlingsberatung  an. In den Schulungen des „Projekt Q“ lernen die Teilnehmer(innen) Grundlagen zu Themen wie Asyl- und Sozialrecht, um sich als ehrenamtliche(r) Flüchtlingsberater(in) zu qualifizieren. Auch bereits in der Beratung Tätige können sich mit Fragen an das „Projekt Q“ wenden. Alle weiteren Informationen zum Qualifizierungsangebot und bundesweiten Terminen finden sich unter www.einwanderer.net. Auf dieser Website sind zudem stets aktuelle Übersichten und Arbeitshilfen rund um das Migrationsrecht zu finden.

Schulungen im Kreis Recklinghausen
Jeden letzten Mittwoch im Monat bietet der Evangelische Kirchenkreis Recklinghausen kostenlos Schulungen für in der Flüchtlingshilfe Engagierte aus der Umgebung. Eine aus Asylrecht spezialisierte Anwältin vermittelt Grundlagenwissen zu Rechts- und Verfahrensfragen und bespricht konkrete Fälle.

Finanzierung von Projekten

Sofortprogramm für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe
Die Landesregierung NRW unterstützt die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer(innen) mit einem Sofortprogramm in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Mit dem Sofortprogramm „Zusammenkommen und Verstehen“ werden kurzfristig Sachkosten für Begegnungsräume und Informationsmaterialien für Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer gefördert. Die Gelder sollen noch in diesem Herbst ausgezahlt werden. Weitere Informationen zum Sofortprogramm finden sich in der Pressemitteilung des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales NRW sowie auf der Website des Ministeriums.

Stipendienprogramm: ANKOMMER. Perspektive Deutschland
Ziel des „ANKOMMER“-Stipendienprogramms ist es, innovative Modelle zu fördern, die nachhaltig dazu beitragen, geflüchteten Menschen in Deutschland eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe zu sichern. Es wendet sich an Start-Ups und Sozialunternehmen, die ihre Idee gemeinsam mit einem Expertenteam umsetzen wollen. Das Stipendium umfasst ein achtmonatiges Programm aus Qualifizierungsmaßnahmen, finanzieller Unterstützung in Höhe von 4.000 Euro sowie einem Platz in einem Co-Working-Space in den Social Impact Labs an den Standorten Berlin, Hamburg, Leipzig, Frankfurt und Duisburg sowie bei einer Partnerorganisation in München. Nach Ablauf des Stipendiums wählt eine Jury die drei besten Projekte aus, die jeweils ein Startgeld von 20.000 Euro erhalten. Eine Bewerbung ist bis zum 11. Oktober 2015 möglich. Weitere Informationen zum Stipendienprogramm und zum Bewerbungsverfahren finden sich auf der Website ankommer.eu.


Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Fördermittel für Projekte zur gesellschaftlichen und sozialen Integration von Zuwander(inne)n
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellt ab 2016 neue Fördermittel für Projekte zur Verfügung, die Eingewanderte mit dauerhafter Bleibeperspektive integrieren. Für eine Förderung bewerben können sich Institutionen wie Verbände, Vereine oder Migrantenorganisationen. Ihre geplanten Projekte sollen sich an Migrant(inn)en ab 12 Jahren mit dauerhafter Bleibeperspektive richten. Gefördert werden zum Beispiel Maßnahmen, die die wechselseitige Akzeptanz von Zuwanderer- und Aufnahmebevölkerung oder die gleichberechtigte Teilhabe Zugewanderter am gesellschaftlichen und politischen Leben fördern. Die Förderung kann maximal für drei Jahre im Umfang von bis zu 50.000 Euro pro Jahr gewährt werden. Die ausgewählten Projekte können voraussichtlich zum 1. September 2016 beginnen. Die Förderanträge können bis 30. Oktober 2015 eingereicht werden.

Förderkonzept „Beratung und Unterstützung von Gewalt betroffener Flüchtlingsfrauen“
Mit dem Förderkonzept „Beratung und Unterstützung von Gewalt betroffener Flüchtlingsfrauen“ unterstützt das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW (MGEPA) Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen sowie Supervisionen von Personen, die im professionellen Kontext oder ehrenamtlich mit Flüchtlingsfrauen befasst sind. Außerdem gefördert werden: Die Begleitung und Betreuung von Gewalt betroffener Frauen, akutpsychotherapeutischen Maßnahmen sowie Leistungen für die Unterbringung und die Betreuung von Flüchtlingsfrauen in den landesgeförderten Frauenhäusern. Das Fördervolumen je Antrag beträgt maximal 20.000 Euro. Das Antragsformular kann online beim MGEPA NRW herunter geladen werden.

Flüchtlingsfond Paderborn
Das Erzbistum Paderborn stellt insgesamt eine Million Euro zur Verfügung, um Maßnahmen der Flüchtlingshilfe in den Kirchengemeinden des Erzbistums zu unterstützen. Zur Verfügung gestellt werden Gelder für Integrationsfeste, Bildungsangebote oder Sachkosten von Begleitungsangeboten. Förderanträge können die Kirchengemeinden selbst sowie Gruppen, Verbände und Vereine in der Kirchengemeinde stellen.

Flüchtlingsfond des Bistums Essen
Der Flüchtlingsfond des Bistums Essen hat ein Volumen von 250.000 Euro. Förderanträge können katholische Institutionen (z.B. Gemeinden, Verbände), Initiativen (z.B. Flüchtlingshilfe) oder Einzelpersonen stellen.

Links zu weiteren Fördermöglichkeiten
Die Stadt Berlin hat weitere Ausschreibungen zur Förderung von Flüchtlingsprojekten durch Stiftungen und Förderprogramme sowie durch den Bund und die EU zusammen gestellt.

 

Nachhaltige Kommentar-Kultur im Internet – Zusammen gegen Hate Speech

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Aug 152015
 

Es gibt kaum Leute die dieses Video noch nicht gesehen haben:

Die Fernsehmoderatorin und Journalistin Anja Reschke spricht in diesem Kommentar das aus, was viele Menschen denken, doch leider gibt es genug User, die das ganz anders sehen. Neben Akzeptanz und Miteinander herrschen Hass und Intoleranz im Netz und “Lies bloß nicht die Kommentare” ist ein weit verbreiter Rat. Die Medien berichten also immer mehr von Hate Speech und dessen Konsequenzen. Jörg Meibauer, Professor für Sprachwissenschaft, verwendet in seiner linguistischen Untersuchung zu Hate Speech folgende Definition:

“Unter Hate Speech wird im Allgemeinen der sprachliche Ausdruck von Hass gegen Personen oder Gruppen verstanden, insbesondere durch die Verwendung von Ausdrücken, die der Herabsetzung und Verunglimpfung von Bevölkerungsgruppen dienen.”

Doch was kann man tun, um zu einem verbesserten Konversations-Klima auf Twitter, Facebook, Youtube und Co. beizutragen und was sind die besten Mittel um Hassreden im Netz zu verhindern?

In diesem Themenspecial stellen sich beispielhafte Projekte vor, die sich dem interkulturellen Dialog und dem Thema nachhaltige Kommentar-Kultur im Internet widmen. Weiter versammelt es Literaturhinweise, Linktipps und weitere Informationen zum Thema Hate Speech.

1. Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) – Zwischen Freiheit und Hate Speech – Wem gehört das Netz?
Die ADS ist eine Anlaufstelle für alle, die von Diskriminierung betroffen sind. Dort kann man sich telefonisch oder per Mail über sämtliche Aspekte von Diskriminierung informieren. Von rechtlicher Beratung bis Aufklärung ist immer jemand ansprechbar. Die ADS hat zum Thema Hate Speech im Internet einen Salon veranstaltet, bei dem Medienmacher(innen), wie Anne Witzorek oder Atila Altun, über Gegenstrategien zur Online-Hassrede diskutierten.

2. Das Antidiskriminierungsbüro Köln
Das Antidiskriminierungsbüro Köln (ADB) in Trägerschaft des Vereins „Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V. (ÖgG)“ bietet seit 1995 eine Anlauf- und Beratungsstelle für Menschen, die Diskriminierungserfahrungen machen. Das ADB hat einen Leitfaden für einen rassismus-kritischen Sprachgebrauch für Journalist(inn)en entwickelt.

3. Ufuq.de
“Was postest Du? Politische Bildung mit jungen Muslim_innen online” ist ein Pilotprojekt von Ufuq.de, einer Seite, auf der sich „um Alternativen zu den aufgeregten Debatten um Parallelgesellschaften, ‚Dschihadreisende‘ oder eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands bemüht wird.“ In diesem Projekt werden unter anderem Inhalte und Strategien der politischen Bildung für eine jugendliche, muslimische Zielgruppe erarbeitet.

Leitfäden für inklusives, nachhaltiges Schreiben

Ein wichtiger Aspekt der nachhaltigen Kommentar-Kultur, ist die Aufklärung. Auch aufmerksamen und für Sprache sensibilisierten Menschen kann es passieren, dass sie unwissentlich in ein Fettnäpfchen treten, denn Hate-Speech ist nicht nur als offensichtlicher Fremdenhass vertreten, sondern fängt oftmals schon in unscheinbaren Sätzen an, wie “Ich habe kein Problem mit, aber…”. Auch Formulierungen und Bezeichnungen, die lange als geläufig oder akzeptiert gegolten haben, können sich ändern. Um diese Fehler im Online-Sprachgebrauch zu vermeiden, befinden gib es einige hilfreiche Leitfäden und Ratgeber zu gender-gerechtem, inklusiven Schreiben.

1. Leitfaden zur Anwendung einer gender-gerechten Sprache
Die Universität Potsdam hat 2013, als Gleichstellungsmaßnahme, einen Leitfaden für gender-gerechte Ansprache erstellt, der dafür sorgen soll, beide Geschlechter gleichwertig einzubeziehen. So kann man lernen, Fehler zu vermeiden, passende Formulierungen zu finden und sprachneutrale Worte zu benutzen.

2. Glossar der Neuen deutschen Medienmacher – Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland
Das Glossar der “Neuen deutschen Medienmacher” dient der Formulierungshilfe für Berichterstattungen im Einwanderungsland und bietet für jeden Begriff eine Erklärung und eine bessere Alternative. Nicht nur im Beruf als Journalist(in), sondern auch privat als Medien User kann man von diesem kostenlosen Leitfaden profitieren. So gibt es die Möglichkeit wertfrei und korrekt zu kommentieren und z.B. ungewollte Wertungen zu vermeiden.

3. Chatiquette
Gerade in Zeiten, in denen fast alle über Smartphone-Apps oder Facebook-Chats kommunizieren, ist es wichtig eine Orientierung für den richtigen Umgang miteinander zu haben. So einen Leitfanden hat das Team von Chatiquette.de erstellt. Regeln, wie “Wenn Du das erste Mal einen Chat-Raum betrittst, springe nicht gleich ins Geschehen. Schaue lieber erst, was für Leute da sind und welche Stimmung herrscht”, helfen dabei ein angenehmes Chat-Klima herzustellen und ungewollte Anfeindungen zu vermeiden.

4. Netikette Leitfaden
Die Universität Leipzig hat einen Leitfaden entwickelt, der besonders hilfreich für Aktivitäten in öffentlichen Diskussionsforen ist. Fast alle deutschen Nachrichten-Seiten verweisen auf die „Netikette“, um User zu freundlichen Diskussion anzuregen. Diese Netikette wird in diesem Leitfaden näher erläutert. Tipps wie “Bedenken Sie bitte auch: Vielleicht lesen Ihre zukünftigen Kollegen oder Ihr zukünftiger Chef mit. Vorurteile bilden sich leicht”, sollen helfen, über die häufigsten Stolpersteine des Internets hinwegzukommen.

5. Geschicktgendern.de
Das Online-Wörterbuch von Geschicktgender.de stellt die gängigen Möglichkeiten des gendergerechten Schreibens mit ihren Vor- und Nachteilen vor und gibt Tipps, wie zu umständliche Formulierungen vermieden werden können. Im Wörterbuchbereich finden sich neutrale Alternativen.

Informationen & Literaturtipps zum Thema Hate Speech

1. “Geh sterben” – Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet
Die Amadeu Antonio Stiftung sammelt in dieser Broschüre Beiträge zum Thema Hate Speech, die in die Problematik einführen. Verschiedene Formen von Hate Speech und deren zu Grunde liegenden Strategien werden vorgestellt. Journalist(inn)en, eine Bloggerin und ein Politiker berichten von ihren Methoden im Umgang mit Hate Speech im Internet. Außerdem ordnen eine Psychologin und ein Rechtsanwalt die Auswirkungen sowie Maßnahmen gegen Hate Speech ein.

2. Modul für Lehrkräfte
Die Initiative klicksafe hat ein Modulhandbuch entwickelt, welches versucht Fragen zu beantworten, wie: „Wie sollen wir mit den neuen Herausforderungen im Netz umgehen?“ oder „Wie sieht verantwortungsvolles Verhalten im Internet aus?“ Das Modul kann man sich hier als PDF runterladen.

3. Jörg Meibauer – Linguistische Untersuchung zu Hate Speech
Jörg Meibauer, Professor für Sprachwissenschaft, hat eine umfangreiche linguistische Untersuchung zu Hate Speech angefertigt, welche sich hier als PDF findet.

4. Netz-gegen-Nazis
Auf Netz-gegen-Nazis kann man sich über verschiedene Aspekte von Hate Speech informieren.

Medien und Mediales zu Hate Speech und Diskriminierung

1. YouGeHA
YouGeHa war eine Youtuber-Aktion bei der sich Youtuber(innen) gegen versteckten und offensichtlichen Fremdenhass gestellt haben. Die daraus resultierten Videos befinden sich auf dieser Tumblr-Seite.
Unter anderem hat sich auch der, 2015 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete Youtube-Channel Hyperbole TV mit dem folgenden Video beteiligt:

2. Deutschland Radio Kultur: Kein Platz für Menschenhass im Netz
Max Oppel vom Deutschland Radio hat sich mit Anatol Stefanowitsch, einem Berliner Sprachforscher und Blogger, getroffen und über Hate Speech gesprochen. Dabei ging unter anderem hervor, dass Meinungsfreiheit mit mehr Verantwortung versehen werden sollte. Der 9-minütige Beitrag befindet sich hier.

3. eEtiquette: Website zum Online-Verhalten
Untersützt von der deutschen Telekom und der Knigge-Gesellschaft haben Masterstudent(inn)en und Lehrende darin unterstützt, eine eEtiquette, also einen Leitfaden der digitalen Do’s und Dont’s, zu erstellen. Um das erlernte Wissen zu testen, kann sich jeder die dazugehörige App auf iOS-Geräte herunterladen. Eine Beschreibung der App und des gesamten Projektes befindet sich hier.

4. No Hate Speech movement
Die No Hate Speech movement ist eine Kampagne des Europarates die ins Leben gerufen wurde für mehr Menschenrechte online, um Akzeptanz von Hate Speech im Netz zu verringern und um Jugend-Mitarbeit zu fördern. Es soll zum Beispiel der 22 Juli zum “European Day for Victims of Hate Crime” gemacht werden. Dann gibt es außerdem Hate Speech Watch, eine Aktion bei der jeder hier Hate Speech melden kann.

 

Spielend nachhaltig – Games in der Bildung für Nachhaltige Entwicklung

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Jul 062015
 

Bereits 1997 ließ das Bundesumweltministerium mit No Future ein Computerspiel entwickeln, das anhand des Leitbildes der nachhaltigen, umweltgerechten Entwicklung das Denken in globalen Zusammenhängen und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für zukünftige Generationen fördern sollte. Seitdem hat sich viel getan: Games müssen nicht mehr auf 3,5‘‘ Disketten passen, sondern sie kommen aus dem Netz auf alle möglichen Geräte und werden als Informations- und Bildungsmedien ernst(er) genommen.

Welche Potenziale Computerspiele für die Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) haben, erörtert dieses Themenspecial. Es wird erklärt, was die verschiedenen Formen von Serious Games ausmacht und wie sie jeweils einen Beitrag für die BNE leisten können. Beispielhafte Games, die sich für den Einsatz in Bildungskontexten eignen, werden genauer vorgestellt.

Warum Spiele(n)?

Dadurch dass Games längst nicht mehr nur über Computer oder Konsole gespielt werden können, sondern man sie auf mobilen Geräten wie Smartphones immer mit dabei hat, werden sie zu einer immer beliebteren medialen Freizeitbeschäftigung und das nicht nur für Kinder und Jugendliche. Der Bundesverband der Unterhaltungsindustrie (BUI) berichtet, dass im Jahr 2014 fast jeder zweite Deutsche digitale Spiele spielte. Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt der Anteil der Gamer bei über 80 Prozent.  Absolut gesehen, dominieren jedoch Erwachsene den Markt. Dabei müssen die Spiele nicht immer das Produktionsbudget eines Hollywoodfilms übersteigen. Simple Spiele wie Angry Birds, so genannten „Casual Games“, mit denen man sich einfach die Zeit vertreibt werden immer beliebter.

Für die Bildung für Nachhaltige Entwicklung über Computerspiele bietet sich hier eine Chance, denn zum Einen erreichen Spiele immer mehr Menschen, zum Anderen sinkt die Entwicklungshürde durch die Verbreitung mobiler Geräte und die Beliebtheit einfacher Games. Eine Nachhaltigkeitsbotschaft als Spiel zu verpacken, ist dabei nicht unbedingt ein Umweg, sondern die Eigenschaften des Mediums bieten Vorteile, die Texte oder Filme nicht haben.

Nachhaltigkeit ein Thema in Spielen und für Spiele

Im Open Book für Nachhaltigkeitskommunikation zeigen Robert Baumgartner und Elisabeth Hollerweger an den Beispielen des Aufbaustrategiespiels Anno 2070 und des Adventure-Games A New Beginning, dass Computerspiele ein hohes Potenzial für die Förderung von Gestaltungskompetenz aufweisen. Im Gegensatz zur rein sachlichen Informationsvermittlung, z.B. in TV-Dokumentationen, schaffen Computerspiele fiktionale Welten. Wie im Spiel Anno 2070 können diese Spielräume eine Welt nach der Klimakatastrophe zeigen und damit veranschaulichen und greifbar machen, was noch nicht ist. Spieler(innen) identifizieren sich zudem mit den Figuren, die sie durch diese Spielewelten steuern, so dass sie ihre Perspektive teilen. Auf dieses Potenzial setzen so genannte „Empathy Games“ wie Die Ausbeuterfabrik, das versucht Spieler(inne)n, die Welt aus der Sicht von Menschen zu vermitteln, die in Textilfabriken unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten müssen. Anders als z.B. beim Sehen von Filmen, bei denen Fiktion und Identifikation ebenfalls wichtig sind, muss ein Computerspieler stets handeln und dabei die Konsequenzen seiner Entscheidungen bedenken. Diese Zusammenhänge können sehr komplex sein, was beim Spieler vorausschauende Planungskompetenzen trainiert.

Die US-amerikanische Computerspieldesignerin Jane McGonigal betont außerdem, dass es in Spielewelten – und seien sie noch so dystopisch – immer Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Ihrer Meinung nach, macht dies Computerspieler zu anpackenden Problemlösern, die je nach Spielgenre auch gelernt haben, Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Dabei, so erklärt sie, liegt den Spielen meist der Optimismus zu Grunde, dass es für Probleme immer eine Lösung gibt. Eine Belohnung für jedes gelöste Problem, gibt das Gefühl etwas erreicht zu haben und motiviert für die nächste Aufgabe.

Übertragen auf die BNE bedeutet das, dass Spiele abstrakte Realität oder Zukunftsszenarien wie den Klimawandel greifbar und emotional erfahrbar machen können. Komplexe Sachverhalte wie die Auswirkungen der Endlichkeit von Ressourcen bilden sich in Spielmechaniken ab und Spieler(innen) können durch Versuch und Irrtum selbst erfahren, welche Faktoren auf welche Weise miteinander zusammen hängen, was einen selbstgesteuerten Lernprozess anstößt. Lässt sich schließlich die Grundeinstellung, dass jedes Problem über viele kleine Schritte gelöst werden kann, in den eigenen Alltag übertragen, erscheinen kleine Verhaltensänderungen nicht mehr als Tropfen auf den heißen Stein, sondern als Beitrag zu einer kollektiven Anstrengung.

In wie weit eine solche Übertragung von Spiel zu Realität gelingen kann, ist jedoch schwer zu messen. Eine Überblicksstudie der Landesanstalt für Medien NRW zeigt, zum spielbasierten Lernen gibt es nur wenige aussagekräftige Studien und Ergebnisse veralten aufgrund technischer Innovation schnell. Ebenso mangelt es an Langzeitstudien. Bewiesen werden konnten aber z.B. die positive Auswirkung eines Lernspiels auf das Essverhalten von Schüler(inne)n sowie Lerneffekte in Geografie, Geschichte oder beim Erwerb von Fremdsprachen.

Formen von Serious Games

Spiele, die sich unsere Realität zur Grundlage ihrer Erzählungen und den Handlungsmöglichkeiten der Spieler(innen) machen, bringen im besten Fall nicht nur Spielspaß, sondern vermitteln auch Wissen, trainieren gezielt Fähigkeiten und beeinflussen Verhaltensweisen. Solche Spiele werden allgemein „Serious Games“ – ernst(haft)e Spiele – genannt. Sie kommen in vielen Bereichen zum Einsatz, z.B. um jungen Krebspatienten ihre Therapie zu erklären oder Analphabeten beim Lesenlernen zu unterstützen.

Dass auch Fragen der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit ein Thema für Serious Games sind, zeigt die Liste der Nominierten und Gewinner des Deutschen Computerspielpreises in dieser Kategorie: Zu ihnen zählen z.B. Menschen auf der Flucht, das für Schüler(innen) die Themen Flucht und Vertreibung mit all ihren Konsequenzen persönlich erlebbar macht oder das Junior-Ranger-Web, in dem Kinder Naturparks in Deutschland virtuell erkunden können. Serious Games gibt es in allen Spiele-Genres von Simulation, über Adventure bis Action. Daneben können sich Serious Games aber auch in ihrer Form und ihren Zielen unterscheiden und damit auf unterschiedliche Weise für die BNE nutzbar werden.

Lernspiele
Lernspielen liegt die Idee zugrunde mit Hilfe der motivierenden Eigenschaften von Spielen, Informationen, Wissen oder Fähigkeiten zu vermitteln. Oft werden sie in Bildungskontexten gespielt und von pädagogischen Konzepten begleitet.

In einer Analyse englischsprachiger Nachhaltigkeits-Games, zeigte sich das Quiz als häufigste Spielart. Spieler(innen) beantworten dabei meist Multiple-Choice-Fragen sehen, ob sie richtig liegen und erhalten ergänzende Informationen. Dieses Ergebnis verwundert nicht, da ein Quiz schon über simple HTML-Befehle oder entsprechende Plug-Ins wie SlickQuiz für WordPress leicht zu erstellen und in bestehende Webseiten einzubauen ist. Dieses Spielformat birgt allerdings das Risiko, den Spaßfaktor des Spiels hinter die Informationsvermittlung zurück zu stellen. Das Online-Quiz zum Thema Nachhaltiger Konsum des BildungsCent e.V., das in Kooperation mit Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt entstand, lockert deswegen die Fragerunden mit kleinen Konzentrationsspielen auf.

Wie schon das Beispiel Anno 2070 zeigt, eignen sich Simulationen und Strategiespiele ebenfalls für den Erwerb von Nachhaltigkeitswissen, da sie komplexe Wechselwirkungen (in vereinfachter Form) abbilden und vorausschauendes Handeln fördern. Spieler(innen) werden dabei zu Forscher(inne)n, die durch Ausprobieren Zusammenhänge verstehen lernen. Dabei muss auf die Auswirkung der eigenen Handlung z.B. auf das Klima nicht erst Jahrzehnte gewartet werden, sondern der Spieler erhält unmittelbar ein Feedback zu seinen Entscheidungen. Das Spiel LandYOUs, das am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) entwickelt wurde, simuliert z.B. die komplexen Beziehungen von nachhaltigem Landmanagement und menschlichem Wohlergehen. Berücksichtigt werden dabei sowohl ökologische als auch ökonomische und soziale Faktoren. Nur ausgewogene Investitionen führen zum Ziel die Lebensqualität in der Spielumwelt zu verbessern. Im Gespräch mit NRW denkt nach(haltig) erklärt Andreas Werntze, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am UFZ, den Entstehungsprozess von LandYOUs und berichtet von Erfahrungen im Praxiseinsatz des Lernspiels.

Gamification
Das Prinzip der Gamification überträgt Funktionsweisen des Computerspiels auf die Welt außerhalb eines Spiels. So werden z.B. Herausforderungen, so genannte „challenges“ an einzelne Personen oder Teams gestellt und Belohnungen verteilt, wenn sie erfolgreich gemeistert werden. Christian Kaufmann, Mitbegründer der Initiative weact.ch, berichtet z.B. von der We act Challenge, die an der ETH Zürich durchgeführt wurde. Ziel war es mit seinem Team den nachhaltigsten Lebensstil zu führen. Für jedes positive Verhalten, z.B. Lebensmittel aus der Region zu kaufen, gab es Punkte, die den Vergleich mit den Mitspielern ermöglichen. Teilnehmer(innen) haben durch den Wettbewerb begonnen vegetarisch zu essen oder sich Fahrräder zu kaufen. Das Beste daran, erklärt Christian Kaufmann:

„Wir haben ihnen nicht gesagt, dass sie das tun sollen, sondern es war ihre eigene Motivation diesen neuen Lebensstil selbst auszuprobieren und sie haben gesehen, dass es gar nicht so schlecht ist so nachhaltig zu leben, dass es eigentlich sehr bereichernd ist für ihr soziales und persönliches Leben.“

Einem ähnlichen Prinzip folgt das österreichische Web-Angebot Ein guter Tag hat 100 Punkte, mit dem Nutzer(innen) ihren eigenen Ressourcenverbrauch über den Tag protokollieren und den daraus resultierenden CO2-Fußabdruck in Punkte umrechnen können. Die Herausforderung: Statt wie im tatsächlichen Durchschnitt 450 Punkte pro Tag zu verbrauchen, soll man versuchen unter 100 Punkten, d.h. unter 6,8 kg CO2, zu bleiben. Denn um das Klima im Gleichgewicht zu halten, sollte diese Menge nicht überschritten werden. Über Gamification lässt sich also das Alltagsverhalten von Spieler(innen) direkt beeinflussen.

Newsgames
Werden aktuelle Themen aus den Nachrichten als Spiel aufbereitet, handelt es sich um Newsgames. Auch hier geht es darum, komplexe Zusammenhänge erfahrbar zu machen. Markus Bösch, der mit PRISM das erste, viel diskutierte, Newsgame in Deutschland entwickelt hat, charakterisiert das Genre folgendermaßen:

„Newsgames, also Spiele, die im journalistischen Kontext Verwendung finden und bei deren Erstellung journalistisch-ethische Grundregeln eingehalten werden, ermöglichen im Unterschied zu traditionellen linearen Medien die interaktive Erfahrung von Inhalten.“

Die BBC machte kürzlich z.B. in Syrian Journey deutlich, welche Gefahren und Konsequenzen Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa abzuwägen haben. Auch hier geht es darum, Empathie zu schaffen. Ebenfalls mit dem Syrienkonflikt beschäftigt sich Endgame Syria. An der Kritik dieses Beispiels zeigt sich aber auch, dass für die Entwicklung von Newsgames oft nur wenig Zeit bleibt und sie deswegen an vielen Stellen vereinfachen müssen, was dem Vorteil von Games, Komplexität abbilden zu können zuwider läuft.

Dass Spiele sich auch zur Gesellschaftskritik eignen beweist Frontiers, in dem man entweder die „Festung Europa“ gegen Flüchtlinge verteidigen oder selbst versuchen muss, aus Osteuropa oder Afrika in die EU zu gelangen. Interessant ist, dass Frontiers auf dem kommerziellen Ego-Shooter Half-Life basiert, dessen berühmteste Modifikation das umstrittene Spiel Counter-Strike ist, welches zum Sinnbild für das angeblich gewaltfördernde Potenzial von Computerspielen geworden ist. Hier zeigt sich noch einmal deutlich, Computerspiele sind ein Medium, in das sich viele Botschaften verpacken lassen und das auf vielfältige Weise zur Debatte anregen kann.

Beispielhafte Nachhaltigkeits-Games

Ein guter Tag hat 100 Punkte
Welcher Lebensstil tut uns gut? Und welcher Lebensstil ist verträglich, um die Welt und unser Klima auch in Zukunft im Gleichgewicht zu halten? 100 Punkte sind das tägliche Budget. Dahinter steht eine für alle Menschen verträgliche Lebensweise. Auf www.eingutertag.org erfährt man, was im eigenen Alltag wie viele Punkte einnimmt und welche Veränderungen am wirkungsvollsten sind. Auch eine Brettspielvariante als Memory-Spiel ist erhältlich.

LandYOUs – Das Online-Spiel zur nachhaltigen Landnutzung
Wer wollte nicht schon mal die Geschicke eines Landes über einfache Investitionen regieren und dabei erfolgreich punkten? In diesem Spiel schlüpfen Spieler(innen) für zehn Runden in die Rolle eines Politikers bzw. einer Politikerin und steuern mittels verschiedener Politikmaßnahmen was auf und in einem Land passiert. Ziel ist es über diese Zeit das Kapital so zu investieren, dass gleichzeitig wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Erfolg möglich ist.

Die Ausbeuterfabrik
Das Online-Spiel „Die Ausbeuterfabrik“ versetzt die Spieler(innen) in die Situation eines/r Textilarbeiter(in) in einem Billiglohnland, das sich in Asien oder Zentralamerika befinden könnte. Das Spiel macht nicht nur den Arbeitsdruck in den „Schwitzbuden“ spürbar, sondern auch die Demütigungen durch Fabrikaufseher(innen) und die wirtschaftliche Not der Näher(innen).

NomadSed: Ein Brettspiel zu nachhaltiger Landnutzung in Trockengebieten unter Wandel
Spielend lernen, forschen und zusammenarbeiten. NomadSed ist ein strategisches Brettspiel, bei dem die Spieler in die Rolle von Hirtennomaden schlüpfen. „Wie kann ich meine Viehherde in dieser kargen Landschaft versorgen?“ „Bringt es etwas, mit meinem Nachbarn zu kooperieren, um das Vieh gegen Diebe zu schützen?“ Dies sind nur zwei der Herausforderungen, mit denen die Spieler geschickt umgehen müssen. Hierbei ist NomadSed spannend und lehrreich zugleich. Aktuelle Probleme, denen nomadische Gesellschaften überall auf der Erde gegenüberstehen, werden spielerisch umgesetzt und bieten somit einen Blick in eine besondere Welt.

Change City: Ein neues Instrument der Kriminalprävention
Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie und Islamophobie: Das sind Erscheinungsformen, die der Erziehungswissenschaftler Wilhelm Heitmeyer als „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet. Das Serious Game „Change City“ wurde als Präventionsmaßnahme gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit für die Arbeit mit Jugendlichen entwickelt. In seiner Startversion „Change City“ schwerpunktmäßig die Themenbereiche Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Homophobie im Fußball, Islamophobie und Rechtsradikalismus im Internet. Das Spiel ist auf Smartphones und Tablets online und offline spielbar und steht kostenlos bei iTunes und im Google Play Store zum Download bereit.

Nachhaltigkeitskommunikation per Webvideo

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Mai 282015
 

„BNE-Grundlagenwissen kann sehr gut mit Lernvideos vermittelt werden“, erklärt Nadine Dembski von der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit im Interview mit NRW denkt nach(haltig). Es müssen aber nicht immer Expertenvorträge sein, die Zuschauer(inne)n Grundlagen der Nachhaltigkeit nahe bringen. Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderte Projekt „Green Movie – Green Media“ der Tropenwaldstiftung OroVerde wurde 2014 im Wettbewerb von NRW denkt nach(haltig) ausgezeichnet, weil es zeigt, wie Nachhaltigkeitskommunikation auf innovative und witzige Weise per Webvideo geschehen kann:

Das Themenspecial „Nachhaltigkeitskommunikation per Webvideo“ stellt als Ergänzung des Beitrags „Von Youtubern lernen“ aus dem Handbuch „Medien und Nachhaltigkeit“ verschiedene Webvideo-Kampagnen, -Projekte und -Angebote aus dem Nachhaltigkeitsbereich vor und erklärt, was einen „nachhaltigen“ Youtube-Clip ausmacht.

Youtube: Viel und bunt
Jede Minute werden 300 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen. Das berichten die Youtube-Statistiken mit dem Stand Mai 2015. Weltweit gibt es über eine Milliarde Youtube-Nutzer(innen). Die JIM-Studie 2014 zeigt: Bei deutschen Jugendlichen ist die Videoplattform das beliebteste Internetangebot – noch vor Facebook. Dass auch ältere Generationen Youtube bereits entdeckt haben, wurde in der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 bestätigt: Unter 40-49-Jährigen nutzen beinahe zwei Drittel Youtube. Bei den Internet-Usern zwischen 60 und 69 sieht sich jeder Vierte gelegentlich Clips auf Youtube an.

Aber nicht nur die Masse an Videos und die Zuschauerschaft auf Youtube sind groß, in den letzten zehn Jahren hat sich auf Youtube auch eine Vielfalt an Video-Genres herausgebildet. Viele davon sind auch für die Nachhaltigkeitskommunikation nutzbar.

Erklärvideos
Die Stärke von Erklärvideos liegt darin, dass schwierige Themen einfach und zielgruppengerecht vermittelt werden. Dem Trend der Erklärvideos von bekannten Youtubern wie „Doktor Allwissend“ folgt z.B. das Glossar „Rechtsextremismus“ der Bundeszentrale für politische Bildung. In diesen Videos erklären junge Menschen Begriffe wie „Rassismus“ mit einfachen Worten, ohne viele Hilfsmittel und in wenigen Minuten. Ist ein Video vorbei, steht in der Playlist (Wiedergabeliste) schon der nächste Clip bereit.

Anders als z.B. im Fernsehen besteht auf Youtube die einfache Möglichkeit des Rückkanals über die Kommentarfunktion oder andere Soziale Medien: Nutzer(innen) können wertvolles Feedback geben und mit einbezogen werden. Zum Beispiel können Themenwünsche abgefragt werden oder es entsteht eine Diskussion mit den Zuschauern über die Inhalte. So geschieht das zum Beispiel bei PoliWHAT?!, einer Serie an Erklärfilmen zum Thema Politik für Jugendliche, bei der Beteiligung ausdrücklich gewünscht ist. Das Video zum Thema „Zivilgesellschaft“ wird z.B. vom Aufruf begleitet, in der Kommentarspalte zu erzählen, in welchen Vereinen oder Verbänden sich die Zuschauer(innen) engagieren.

In diesen Videos sprechen die Jugendlichen direkt in die Kamera und direkt zu einem gleichaltrigen Publikum. Die Atmosphäre ist weniger formal als bei einem Lernvideo, denn Sender und Empfänger begegnen sich auf Augenhöhe. Damit folgen die Videos dem Prinzip der Peer-Education: Gleichaltrige vermitteln Wissen an Gleichaltrige, indem sie sich auf derselben sprachlichen/kommunikativen Ebene begegnen. Besonders geeignet ist diese Art der Wissensvermittlung für Fragen, die man Erwachsenen oder Lehrkräften nicht stellen würde, weil das Thema „peinlich“ ist (z.B. Sexualaufklärung), weil es aus der jugendlichen Lebenswelt kommt (z.B. Mediennutzung) oder weil die Antworten, die man bisher bekommen hat zu unverständlich waren (z.B. Politik).

Für das Vermitteln von Fakten und komplexen Zusammenhängen hat sich auf Youtube zudem das Genre der animierten Erklärvideos bewährt. Im Vergleich zu den Videos in denen Expert(inn)en persönlich ihr Wissen präsentieren, bieten animierte Videos den Vorteil, dass sich schriftliche Informationen und Grafiken flüssiger in das Videogeschehen einbinden lassen. Komplexe Zusammenhänge, wie Umweltbelastung durch Tourismus können so als animierte Karten und  Schaubilder vermittelt werden. Diesem Ansatz folgen die Clips von WissensWerte.

Besonders beliebt und auch schon mit einfachen Mitteln zu produzieren sind Erklärvideos die auf „handgemachte“ Animation setzen, z.B. durch Zeichnungen und Handschrift oder Stoptrick-Animation, bei der aus Einzelaufnahmen ein bewegtes Bild zusammengesetzt wird. Beispielhaft ist hier die „About Change“-Kampagne der BUNDjugend: Papier, Stift, Kamera – fast fertig!

Web-TV
Unter Web-TV versteht man im Allgemeinen Bewegtbild bzw. Video, das Browser-basiert im Internet abrufbar ist.  Aus „Web-TV“ als Kombination von Internet und Fernsehen ergeben sich interessante Möglichkeiten, bekannte Strategien aus dem TV mit neuen Funktionalitäten des Webs zu verbinden.

Sehr nahe an klassischen Service-Magazinen aus dem Fernsehen sind z.B. die Gartentipps von Gartenzwerg TV. Das Start-Up hinter dem Web-TV-Sender wurde von zwei Journalistinnen aus dem Bergischen Land mit Hilfe eines Stipendiums des Mediengründerzentrum NRW gegründet. Während aus dem Fernsehen das Format des Service-Magazins übernommen wurde und „Gartenzwerg TV“ wie ein Sender als Marke hinter den Inhalten steht, folgen die Ansprache der Zuschauer(innen) und die Ästhetik des Videos dem Stil von Tutorials (Videoanleitungen) auf Youtube. Schritt für Schritt wird zum Beispiel erklärt, wie man einen wildtierfreundlichen Garten gestalten kann.

Aufsehen erregte im letzten Jahr die Dokumentation “Sweatshop – Deadly Fashion” aus Norwegen, die online auf der Website der Tageszeitung Aftenposten veröffentlicht wurde. In ihrer Versuchsanordnung Teenager in eine Textilfabrik in Kambodscha zu schicken, bezog sich die Web-Doku ganz klar auf Formen des Reality TVs, aber nutzte dieses Format, um eine ernste Botschaft über Arbeitsbedingungen in der Kleidungsindustrie zu vermitteln. Dass diese Strategie funktioniert hat, zeigt sich daran, dass das Norwegische Parlament aufgrund der Doku bereits über Arbeitsbedingungen in der Kleidungsindustrie debattiert hat und die Videoserie auch in vielen anderen Ländern verbreitet wurde.

Joakim Kleven, der Regisseur der Doku, selbst erst Anfng 20, war selbst vom Erfolg der Serie überrascht:

“Ich hätte nicht gedacht, dass es so groß werden würde. Aber natürlich wollten wir mit der Serie etwas verändern. Tatsächlich hat sie jetzt über 1,5 Millionen Views. Und in Norwegen leben nur fünf Millionen Menschen. Die Filme haben auch in Spanien, Belgien, Mexiko und Argentinien Diskussionen ausgelöst.”

Zwar von einem Fernsehsender aber ganz anders als Fernsehen kommen die multimedialen Web-Dokus von Arte daher. Für den Grimme Online Award 2015 nominiert ist das Projekt Refugees – 4 Monate, 4 Camps, das Zuschauer(innen) einlädt, in der Rolle von Journalist(inn)en virtuell Flüchtlingscamps in Nepal, dem Irak, dem Libanon und Tschad zu erkunden.

Hier werden die interaktiven Möglichkeiten des Webvideos ausgenutzt, da es mit anderen Medien und Inhalten kombiniert wird und sich User ihren eigenen Weg durch das Angebot klicken können. Damit versucht die Web-Doku der Komplexität der Flüchtlingsthematik gerecht zu werden. Der Projektmanager Donatien Huet erklärt hierzu:

„Neben den Beiträgen von Künstlern – Filmemachern, Fotografen, Autoren und Zeichnern – war uns wichtig, auch den Web-Nutzer zu einem Akteur zu machen und ihn nicht mit der bloßen Zuschauerrolle abzuspeisen.“

Durch die aktive Rolle als Journalisten in der Web-Umgebung sind die User herausgefordert, eine Vielzahl von Informationen zu verarbeiten und sich damit Wissen anzueignen.

Nachhaltigkeitsbotschaften neu verpacken
Die Informationsvermittlung oder der Lerneffekt müssen in der Gestaltung von Webvideos zum Thema Nachhaltigkeit nicht immer im Vordergrund stehen. Auch mit Satire und Comedy lassen sich ernsthafte gesellschaftliche Themen vermitteln. Der Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen stellt sich zum Beispiel mit dem Video „Konsumieren und Gutes tun! Hühnchen für Afrika“ ganz provokant vor, wie es denn wäre, wenn man Essensreste wirklich zu „den hungernden Kindern in Afrika“ schicken würde.

Im ersten Teil des Clips wird mit den Konventionen der Fernsehwerbung gespielt: eine glückliche Familie, ein paar Stimmen von Verbraucher(inne)n, fröhliche Musik und lustige Animation. So verpackt wird die Absurdität des Gedankens Essensreste nach Afrika zu schicken unterstrichen und gleichzeitig Spannung aufgebaut, denn man möchte wissen, wer hinter dieser Kampagne steckt. Die Auflösung bieten die letzten Sekunden des Videos: Unterlegt von ruhigerer Musik wird in Bild und Text erklärt, warum der Export von Billigfleisch nach Afrika die Anbieter vor Ort schädigt. Am Ende gibt es einen Link zur Organisation, die für das Video verantwortlich ist sowie zu mehr Informationen zum Thema Fleischexporte.

Mit Zombies für den Klimaschutz hat auch das Bundesumweltministerium hat im vergangenen Jahr auf Absurdität gesetzt. Insgesamt wurden die Videos der Kampagne innerhalb von vier Wochen drei Millionen Mal angeklickt. Michael Adler, dessen Agentur mit für die #ziek-Kampagne verantwortlich war, erklärt:

“Mit […] den hollywoodesken Kinospots versuchen wir die Zielgruppe, die bisher Klimaschutz nicht als ihr Ding begriffen hat, mit dem Thema in Kontakt zu bringen. Das funktioniert über das überraschende und witzige Einfliegen des Themas über Zombies-, Sex- und Macho-Geschichten. Wir erzählen eine kleine Geschichte, die Interesse weckt und das Zuhören der Zielgruppe möglich macht und dann setzen wir die überraschende Botschaft des Lichtlöschens oder Radfahrens.”

Verknüpft sind die Videos zudem mit einer Kampagnen-Website auf der sich junge Blogger(innen) ebenfalls per Youtube-Video an die Zuschauer wenden und von ihren Projekten und ihrem Engagement für mehr Nachhaltigkeit berichten. Mit dabei ist zum Beispiel Martin Randellhoff, der 2012 für sein Blog „Zukunft Mobilität“ mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Mit den kurzen Portraits der Engagierten bekommen Nachhaltigkeitsthemen ein Gesicht und werden damit zugänglicher. Angesprochen wird in der Kampagne ebenso, was der Einzelne durch Verhaltensänderung zu mehr Klimaschutz beitragen kann. Die Zuschauer(innen) erhalten so von den Videos nicht nur Informationen, sondern auch einen sofortigen Nutzwert.

Weitersehen

  • In ihrem Artikel „Jugendgruppen 2.0: Gründung und Betreuung von Jugendgruppen mit Hilfe Neuer Medien“ im Handbuch Medien und Nachhaltigkeit berichtet Marie Joram von der „Neue Medien Initiative“ der BUNDjungend NRW. Im Rahmen der Initiative haben sich mehrere Jugendgruppen gebildet, die Webvideos zu Nachhaltigkeitsthemen und Aktionen der BUNDjugend produzieren. Über die Erfahrungen und die Hintergründe der „Neue Medien Initiative“ spricht Marie Joram außerdem im Interview mit NRW denkt nach(haltig). In den Artikeln finden sich konkrete Tipps zur Videogestaltung und zur Videoarbeit mit Jugendlichen.
  • In einfacher technischer Umsetzung werden beim Digital Storytelling Menschen angeregt, ihre Geschichte als Video zu erzählen. Digital Storytelling wird im Handbuch „Medien und Nachhaltigkeit“ als Methode zur Nachhaltigkeitskommunikation genauer vorgestellt.
  • Noch mehr audiovisuelle Inspiration zu Webvideo und Nachhaltigkeit bieten Clipsammlungen wie die des Portals Globales Lernen.
  • Übrigens: Auch wer keine eigenen Youtube-Clips produzieren kann oder möchte, kann trotzdem auf der Plattform aktiv werden und Playlists mit seinen Lieblingsvideos anlegen, die ein Thema behandeln, zu dem man informieren möchte.

Projekte

Green Movie. Green Media
Mit dem Film-Wettbewerb „Green movie. Green media“ rief die Tropenwaldstiftung OroVerde Jugendliche und junge Erwachsene auf, kurze Filmclips rund um das Thema Biologische Vielfalt & Konsum zu entwickeln. Ziel war es, mit den Filmclips zu einem umweltbewussten Handeln zu motivieren – und dabei die Motivationen der jeweiligen Zielgruppe zu berücksichtigen. Neben den Video-Clips ist im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderten Projektes ein Leitfaden entstanden, der Praxistipps für Anregungen für neue Ansätze der Nachhaltigkeitskommunikation bietet. basiert auf Erkenntnissen aus der Hirnforschung wie sie auch in der Werbebranche eingesetzt werden. Der Leitfaden zur Umweltkommunikation kann online gelesen werden. Die gedruckte Broschüre ist bei OroVerde kostenlos bestellbar.

WissensWerte Animationsclips
Das WissensWerte Projekt des Vereins /e-politik.de/ e.V. produziert seit 2010 eine Reihe von kurzen Animationsfilmen zu politischen Themen. Viele der Themen wie Globalisierung, Welthandel, Menschenrechte oder Biodiversität sind im Themenbereich des Globalen Lernens angesiedelt. Die Filme haben eine Creative Commons BY-SA Lizenz und können kostenfrei genutzt werden.

Video-Wettbewerb 2015 WeTube im Rahmen der Kampagne „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“
Die Schüler(innen) der teilnehmenden Schulen der Kampagne „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ sind eingeladen, ihre Projekte im Video zu präsentieren und zeigen, wie die Zukunft lokal – regional – global – „nachhaltiger“ gestaltet werden kann. Die Videofilme sollten nicht länger als 7 min. dauern und bei YouTube veröffentlicht sein. Der Titel des Videos sollte den Passus „Schule der Zukunft“ enthalten. Die drei besten Videobeiträge werden als Preisträger ausgezeichnet.

Jugendfilm-Wettbewerb „tvebiomovies“
Der Filmwettbewerb tvebiomovies2015 wendet sich über das Internet an alle Menschen weltweit mit der Herausforderung, ein aktuelles Umweltthema zur Nachhaltigen Entwicklung in einem kurzen Video anzupacken. Der Film kann lustig oder ernst sein, es kann eine Animation, eine Spielszene oder eine Dokumentation sein.Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Mean, but Green – Virale Clips zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Im Rahmen des künstlerischen Forschungsprojekts “Mean, but Green” an der Internationalen Filmschule Köln haben Studierende virale Videoclips zum Thema Klimaschutz entwickelt und produziert. Die Projektleitung lag bei Dr. Andrea Gschwendtner. Unterstützt wurde das Projekt vom KlimaKreis Köln, der ProÖko Servicegesellschaft sowie einem bundesweiten Verband von 50 Unternehmen des Möbelhandels. Entstanden sind acht Filme, die anstatt auf erhobene Zeigefinger auf überraschende Plot-Twists und schwarzen Humor setzen. Alle Videos sind online über www.mean-but-green.de zu erreichen.

Mediengestützte Weiterbildung im Nachhaltigkeitsbereich

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Apr 152015
 

Medien, die eine Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit prägen, prägen auch die Wege der Wissensvermittlung, gerade außerhalb des Schulsystems. Ende der 60er Jahre war zum Beispiel das Fernsehen auf dem Weg bald jeden Haushalt zu erreichen (85% im Jahr 1970) und besaß eine weit höhere Bindungskraft als Hörfunk und Zeitung. Zu dieser Zeit setzten das Bayrische Kultusministerium und der Bayrische Rundfunk auf Weiterbildung per Fernsehen und entwickelten das “Telekolleg”. 1966 als auf „unorthodoxe, so neumodische, wo nicht geradezu amerikanische Weise erworbene Bildung“ beschrieben, wirkt dieser Ansatz heute ebenso antiquiert wie Frontalunterricht in der Schule. Nun versprechen digitale Medien interaktives Lernen wann und wo man möchte und im Wissensspeicher Internet scheint die Antwort auf jede erdenkliche Frage nur eine Google-Suche entfernt; zumeist auch noch frei und kostenlos.

Während in der Schule die Vermittlung eines festgelegten Umfangs an Fähigkeiten und Wissen an eine Gruppe im selben Altern und mit denselben Vorkenntnissen in einem bestimmten Zeitraum zum Erwerb eines anerkannten Abschlusses führt, ist die außerschulische Weiterbildung weit offener und flexibler gestaltet. Lernende können individuell entscheiden, in welchen Bereichen sie sich weiterbilden wollen, ihr Lerntempo selbst bestimmen, alleine oder mit anderen vernetzt lernen. Nicht immer steht am Ende ein formaler Abschluss oder ein Zertifikat, aber bei der richtigen Auswahl des Angebots, können gezielt Fähigkeiten und Wissen für Beruf oder privates Interesse erworben werden. Die Vielfalt des Angebots an Weiterbildungsmöglichkeiten im Web ist dabei ebenso riesig wie unübersichtlich.

In diesem Themenspecial gibt NRW denkt nach(haltig) einen Überblick über aktuelle Formen der mediengestützten Weiterbildung, erklärt ihre Vor- und Nachteile, gibt Tipps zur Auswahl des richtigen Angebots sowie vertiefende Linktipps. Präsentiert werden zudem ausgewählte Bildungsmaterialien und Kurse, die sich thematisch an Nachhaltigkeitsakteure richten und/oder die den professionellen Einsatz von neuen Medien vermitteln.

Online-Wissen

Freies Wissen

Eine Weiterbildung kann bereits bei der Online-Recherche nach Antworten auf eine bestimmte Frage oder nach einem Überblick über ein Themengebiet beginnen. Paradebeispiel ist die Wikipedia. Nach dem Prinzip des Freien Wissens sind die Texte der Online-Enzyklopädie ohne Kosten für jeden zugänglich und können – unter Beachtung der zugrunde liegenden Lizenz – weiterverwendet und -bearbeitet werden. Gerade die Möglichkeiten zur Verbreitung und Veränderung der Materialien bietet die Chance, ohne finanzielle Zugangsbarrieren stets aktuelle und verbesserte Informationen zu erhalten.

Open-Educational-Ressources (OER)

Nach dem Prinzip des Freien Wissens funktionieren auch die so genannten Open-Educational-Ressources (OER). Diese frei verfügbaren Online-Publikationen können von einzelnen Anbietern oder von ganzen Communitys entwickelt sein. Sie bereiten in unterschiedlicher medialer Form Wissen für Lernende und Lehrende auf. Die Grundlage für die freie Zugänglichkeit sind Lizenzmodelle, die es Nutzer(inne)n erlauben die Materialien zu verwenden, zu verbreiten und abzuändern. Dass “open” im Fall von OER nicht nur freier Zugang bedeutet, sondern dass damit auch die Offenheit zur Bearbeitung gemeint ist, betonen Jöran Muuß-Merholz und Felix Schaumburg im OER Whitepaper (2014):

„Lernen ist ein individueller Prozess, in dem die Lernenden Wissen mittels Konstruktion und Aneignung entwickeln. Dieser Prozess vollzieht sich in aktiver Auseinandersetzung mit einem Inhalt. Dafür müssen die Materialien, mit denen gelernt wird größtmögliche Freiheit für dieses individuelle Sichaneignen bieten. Sie müssen vielfältig und aktiv bearbeitet werden können. Lernende müssen Materialien (im Wortsinne) manipulieren, also Inhalte bearbeiten, verändern, neu anordnen und mit anderen Inhalten kombinieren (“remixen”) können. Digitale Inhalte und Werkzeuge bieten dafür enorme Möglichkeiten.“

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Zusätzlich zur Möglichkeit der Verbesserung erzeugt die Offenheit der Ressourcen eine größere Transparenz, z.B. was die Aktualität oder den korrekten Umgang mit Quellen angeht. Wie das Beispiel der Wikipedia zeigt, können die Qualitätssicherung und -kontrolle von Freiem Wissen durch eine Online-Community sehr effektiv und sogar schneller sein als klassische Redaktionsprozesse. Kritisch zu prüfen, sind bei freien Informationsquellen und Bildungsressourcen dennoch die ursprüngliche Quelle sowie Art und Datum der letzten Bearbeitungen. Hilfreich können zusätzlich Bewertungen anderer Nutzer(innen) sein. Weiter ist zu beachten, dass nicht alle im Internet verfügbaren Quellen oder Lehrmaterialien auch OERs sind und ohne weiteres verwend- oder bearbeitbar sind. Besonders einfach zu erkennen sind die Nutzungsrechte unter Creative-Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen). Schon der Titel der jeweiligen Lizenz verrät hier, was mit dem entsprechenden Werk geschehen darf. Die CC-Lizenz „Namensnennung-Nichtkommerziell-keineBearbeitung“ (cc-by-nc-nd) erlaubt zum Beispiel ein Werk in unveränderter Form zu nicht kommerziellen Zwecken weiter zu verbreiten, wenn der Name des Urhebers genannt wird. Ist ein Werk nicht explizit als gemeinfrei oder als CC-Ressource gekennzeichnet, unterliegt es dem klassischen Urheberrecht und Verwendung, Weiterverbreitung oder Bearbeitung sind ohne Erlaubnis des Urhebers nicht gestattet.

Mehr Informationen zu den Themen freie Inhalte und OER bieten die Broschüre IM BLICKPUNKT Open Content und das Dossier „Open Educational Resources – offene Lehrmaterialien für alle“ auf dem Portal der BNE Dekade für Deutschland.

Beispiele für Freies Wissen und OER im Nachhaltigkeitsbereich

Wiki-Books
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist nicht das einzige Projekt der Wikimedia Foundation, das sich für die freie Verfügbarkeit von Wissen einsetzt. Unter den Wiki-Books findet sich zum Beispiel das Sachbuch „Ethify yourself – Ethisch leben und wirtschaften“. Das Buch ist  aus einem Forschungsprojekt der Fachhochschule Vorarlberg hervor gegangen und entstand von Anfang an als Community-Projekt. 2014 wurde es mit dem Sustainability Award des österreichischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sowie des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft ausgezeichnet. Ein Kapitel widmet sich dem Thema „Ethify your Media“. Es fragt unter anderem, an welche Zielgruppen sich Nachhaltigkeitsbotschaften richten und nimmt die aktuelle Medienlandschaft und ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen kritisch in den Blick. Wie in der Wiki-Community üblich werden auch die Texte der Wiki-Bücher stets weiter fortgeschrieben und verändert.

“open book Nachhaltigkeitskommunikation”
Das „open book: Nachhaltigkeitskommunikation“ der AG Medien der UN-Dekade für Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) versteht sich als Online-Dialog zur Frage, wie die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung medial vermittelt werden können. Die Beiträge stellen die Potenziale verschiedener Medien für die Nachhaltigkeitskommunikation vor und geben Beispiele für gelungene Kommunikationsprojekte. Das open book lädt Interessierte zur Ergänzung und Weiterentwicklung ein. Die Publikation kann unter der cc-by-sa-Lizenz weiterverbreitet und -bearbeitet werden.

Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte „Nachhaltigkeit“
Zum Ende der BNE-Dekade widmete die Bundeszentrale für politische Bildung 2014 eine Ausgabe ihrer Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) dem Thema Nachhaltigkeit. Die Artikel nehmen unter anderem den Begriff „Nachhaltigkeit“ und seine aktuelle Verwendung kritisch unter die Lupe, fragen nach der Rolle der politischen Bildung in der BNE nach der UN-Dekade und stellt verschiedene Zukunftskonzepte vor. Die Publikation kann im Internet heruntergeladen oder bei der Bundeszentrale bestellt werden. Sie steht unter der cc-by-nc-nd-Lizenz.

Datenbank: Globales Lernen
Das Portal Globales Lernen der „Eine Welt Internet Konferenz“ (EWIK) ermöglicht einen schnellen und übersichtlichen Zugang zu allen relevanten Informations- und Bildungsangeboten zum Globalen Lernen. Dort finden sich Bildungsmaterialien und Methoden für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit sowie Multimedia-Angebote. Das Themenspektrum ist sehr breit und reicht von AIDS über Fremdenfeindlichkeit und Ökologie bis Weltwirtschaft. Über eine Datenbank kann in dieser Unterrichtsmaterialsammlung recherchiert werden. Darüber hinaus stellt das Portal jeden Monat Dossiers zusammen, die einen Überblick über verschiedene Nachhaltigkeitsthemen sowie Literatur-, Link- und Materialtipps bieten.

Online-Kurse

Wer sich in strukturierter Form oder sogar mit dem Ziel eines Zertifikats weiterbilden möchte, hat die Wahl an verschiedensten Formen des internetgestützten Fernunterrichts. Da durch die virtuelle Kommunikation eine Anreise oder Materialkosten entfallen, können Online-Kurse eine günstigere Alternative zu Präsenzveranstaltungen sein. Einige Online-Kurse werden sogar kostenlos angeboten. Ein weiterer Vorteil der Online-Kurse ist, dass sie den Zugang zu Expert(inn)en aus aller Welt ermöglichen. Schlagzeilen machte zum Beispiel das Online-Angebot von US-amerikanischen Eliteuniversitäten wie MIT und Harvard, bei dem Studierende gebührenfrei über das Internet an Seminaren renommierter Professor(inn)en teilnehmen konnten. Bei all diesen Vorteilen, liegen die Abbrecherquoten bei Online-Seminaren hoch, im Fall der MIT- und Harvard-Kurse bei über 90 Prozent. Der Vorteil der Niedrigschwelligkeit des Angebots wir hier zum Nachteil und stellt damit hohe Anforderungen an die die didaktische Umsetzung des Angebots und die Sicherung des Lernerfolgs. Je nach Thema, Ziel und Lerntyp, können unterschiedliche Formate von Online-Kursen sinnvoll sein.

Webinare

So genannte Webinare finden meist als einmalige interaktive Veranstaltungen im Internet statt. Das heißt: zu einer bestimmten Zeit treffen sich Lernende und Lehrende in einer Online-Umgebung. Es handelt sich also um eine synchrone Kursform. Meist ist die Online-Umgebung über einen Web-Browser für die angemeldeten Teilnehmer(innen) abrufbar, sodass keine Software-Installation notwendig ist. Die Teilnehmer(innen) brauchen aber auf jeden Fall eine gute und stabile Internetverbindung sowie – je nach Form der Interaktion – Mikrofone oder auch Webcams. Entsprechend der verwendeten Webinar-Plattform und Gruppengröße ist die Ausgestaltung des Formats unterschiedlich. Es kann z.B. ein Vortrag als Live-Stream übertragen werden und hinterher per Internettelefonie (VoIP) ein Gespräch zwischen Referent(in) und Teilnehmer(inne)n stattfinden. Auch der Austausch von Nachrichten untereinander (Chat), das Teilen von Bildschirmen oder von  Dokumenten sind möglich, so dass eine Interaktion unter den Teilnehmer(inne)n und mit den Referent(inn)en entstehen kann.

Besonders wenn sinnvolle Interaktion stattfinden soll, sind Webinare nur für kleinere Gruppen geeignet. Einige Anbieter(innen) stellen nach den Veranstaltungen Mitschnitte der Veranstaltung als Video der Öffentlichkeit zur Verfügung. Dadurch werden sie asynchron zugänglich, aber die Interaktion mit Referent(inn)en und Teilnehmer(inne)n kann nicht mehr über denselben Kanal stattfinden.

Die Vorteile von Webinaren, fassen die Autoren des “Webinar-Handbuchs” zusammen:

„Webinare bieten Personen, die ihre Qualifikationen verbessern oder die sich in einem bestimmten Themenbereich umschulen lassen wollen, eine gute Möglichkeit, verschiedene Themen auszuprobieren, wenn sie noch nicht sicher sind, wofür sie sich genau entscheiden sollen. Dank der Webinar-Technologie können Personen an verschiedenen Webinaren teilnehmen, um mehr über bestimmte Themen zu erfahren, bevor sie sich für teure traditionelle Ausbildungsformate oder Studiengänge entscheiden.“

Massive Open Online Courses (MOOCs)

Ein umfangreicheres und strukturierteres Angebot als Webinare machen so genannte Massive Open Online Courses (MOOCs), bei denen auch Teilnahme- oder Abschlusszertifikate erworben werden können. Im Namen tragen die MOOCs ihre Eigenschaft für eine große Zahl an Teilnehmer(inne)n (massive) offen (open) zu sein. Die Teilnahme erfolgt über Online-Plattformen, die über den Browser zugänglich sind. Über sie wird das Kursmaterial zur Verfügung gestellt und die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden sowie zwischen den Teilnehmer(inne)n untereinander abgewickelt. Anders als bei Webinaren sind Lernende in ihrer Zeiteinteilung flexibler. Vorträge werden als Videos online gestellt und zusätzliche Materialien und Übungen sind meist bei Kursbeginn komplett online verfügbar, sodass jeder sein Lerntempo selbst bestimmen kann. Ein zeitlicher Rahmen wird dennoch nötig, sobald Leistungskontrollen nicht nur in Form automatisierter Quizzes stattfinden. Eine solche Zertifizierung erweist sich allerdings gerade bei großen Kursen als schwierig, da die Identität der Teilnehmer(innen) überprüft und Ressourcen für Korrekturen aufgewandt werden müssen.

Eine Variante der Online-Kurse, die auch den Gedanken der Offenheit zur Weiterverarbeitung der OER aufnimmt, sind die cMOOCS. Das „c“ steht dabei für „connectivism“ und bedeutet, dass Lerninhalte nicht vorgegeben sondern gemeinsam mit und von den Teilnehmer(inne)n (weiter-)entwickelt werden. Es handelt sich also nicht um eine hierarchische Online-Vorlesung sondern um ein Community-Projekt. Online-Phasen und Präsenzveranstaltungen kombiniert das so genannte „blended learning“. Ziel ist es dabei, Lernende durch das soziale Miteinander jenseits der Online-Phasen zu motivieren und zu unterstützen. Dies geht zwar zu Lasten der Flexibilität, verspricht aber gerade in der beruflichen Weiterbildung auch eine Erweiterung des eigenen Netzwerks und macht die Zertifizierung einfacher möglich.

Die Vorteile von MOOCs gegenüber der klassischen Präsenzlehre fasst Hannes Klöpper, Mitgründer der deutschen Online-Kursplattform „iversity“ zusammen:

„Orts- und Zeitunabhängigkeit, Interaktivität, Adaptionsfähigkeit, die Möglichkeit fortwährender Optimierung auf Grund reichhaltiger empirischer Daten und der Diversität der Teilnehmer (z.B. im Hinblick auf ihr Alter oder den disziplinären, kulturellen und beruflichen Hintergrund). […] Überdies bringen sie eine ungekannte Vielfalt von Lernenden zusammen, die sonst ganz sicher niemals gemeinsam einen Hörsaal betreten hätten.“

Das richtige Angebot auswählen

Will man einen Qualifikationsnachweis erwerben, werden Präsenzveranstaltungen angeboten oder soll Interaktion mit Lehrpersonen möglich sein, fallen auch bei zunächst gebührenfreien Angeboten nicht selten Kosten an. Es gilt also, sich im Vorfeld genau zu informieren, welche Form der Wissensvermittlung und Lernkontrolle man bekommt. Dabei sollte man auch realistisch einschätzen, ob die zeitlichen und technischen Anforderungen eines MOOCs den eigenen Ressourcen entsprechen. Weiter ist für die Beurteilung von Online-Kursen wichtig, ob das Material auch tatsächlich als Online-Kurs konzipiert wurde und nicht einfach nur eine Zweitverwertung einer Präsenzveranstaltung ist: Eine gefilmte Vorlesung hat wenig Nutzen für diejenigen, die nicht teilgenommen oder keinen Zugang zu den angesprochenen Quellen haben. Weitere Kriterien für die Beurteilung von MOOCs finden sich im Journal der European Foundation for Quality in eLearning.

Vertiefende Informationen zum Trendthema MOOCs sowie einen Überblick über deutschsprachige und internationale Plattformen für Online-Kurse bietet die Broschüre „lfm kompakt: Digitales Lernen“.  Weitere Tipps, nach welchen Kriterien man ein passendes Angebot Online-Kursangebot auswählt und welche Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung einer Weiterbildung für Bürger(innen) in NRW zur Verfügung stehen, finden sich in der Broschüre IM BLICKPUNKT: Digitale Weiterbildung.

Beispiele für Online-Kurse im Nachhaltigkeitsbereich

vhsMOOCs – Wecke den Riesen auf
Sowohl das Prinzip der cMOOCs als auch das des blended learnings verfolgen zum Beispiel die vhsMOOCs aus dem Projekt „Wecke den Riesen auf“, bei denen Mitarbeiter(innen) und Führungskräfte von Volkshochschulen gemeinsam das Thema „Weblernen in der Erwachsenenbildung“ erarbeiten. Die so genannten MOOCbars kombinieren die Idee des MOOCs mit der des Veranstaltungsformats barcamp. Dort tauschen sich die so genannten Teilnehmergeber(innen) und Expert(inn)en vor Ort aus und organisieren Themen und Arbeitsformen selbst. Auch für nicht VHS-Mitarbeiter interessant, sind die Mitschnitte der Webinare zu verschiedenen Webtools: Erklärt wird zum Beispiel, was es mit Facebook-Seiten, Google-Hangout, WordPress, Etherpad  oder Xing auf sich hat und wie man diese Angebote beruflich nutzt.

Alumni-Portal Deutschland: Webinare
Das Alumniportal Deutschland ist ein kostenloses soziales Netzwerk, das die Vernetzung und den Wissensaustausch von Deutschland-Alumni (Personen, die in Deutschland oder an einer deutschen Einrichtung im Ausland studiert, geforscht, gearbeitet, eine Aus-/Weiterbildung oder einen Sprachkurs absolviert haben), Unternehmen und Organisationen, Hochschulen und Stiftungen sowie Netzwerken fördert. Seit Ende 2010 bietet das Alumniportal seinen Nutzern Online-Seminare, sogenannte Webinare, sowie Expertenchats und Streamings zu verschiedenen Themen an. Diese Angebote schaffen den Rahmen für einen virtuellen fachlichen Austausch und fördern die Wissensbasis und den Lernprozesse zu globalen Themen.

Virtuelle Akademie für Nachhaltigkeit
Die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit engagiert sich für den bildungspolitischen Auftrag, allen Studierenden den Zugang zu Lehrveranstaltungen für Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Angeboten werden Online-Lehrveranstaltungen (MOOCs) mit renommierten Nachhaltigkeits- und Klimaforscher(inne)n. Diese Lernvideos sind frei zugänglich für alle Studierenden und auch für andere Bildungskontexte. Teilnehmer(innen) können für ihr Studium Credit-Points erwerben.

E-Learning Programm zur nachhaltigen Mobilität im Rahmen des SOLUTIONS Projekts
Übergeordnetes Ziel im Projekt SOLUTIONS ist es, durch Vernetzung einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung innovativer Lösungen für eine nachhaltige Mobilität in Städten auf der ganzen Welt zu leisten. Im Rahmen des Projektes wurde eine Serie von sechs englischsprachigen Onlinekursen rund um dieses Thema entwickelt. Die Kurse sind frei für alle Interessierten und richten sich insbesondere an Stadtplaner(innen), Lehrende, Architekt(inn)en und Studierende, um ihnen zu helfen nachhaltige Mobilität in ihrer eigenen Stadt oder Region zu etablieren.

Themenmodul “Nachhaltigkeit” der FES OnlineAkademie
Die OnlineAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ist ein Ort politischer Bildung im Internet. Er bietet neben Themenmodulen kostenfrei abonnierbare Wissenssnacks und Webinare für Information, Austausch und Diskussion. Das Themenmodul “Nachhaltigkeit” richtet sich an einen breiten Interessent(inn)enkreis. Infographiken geben auf einen Blick erste Orientierung. Texte zum Selbststudium von Autor(inn)en aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft leuchten Dimensionen und Gestaltungsspielräume des Querschnittthemas Nachhaltigkeit aus. Ein Glossar und frei nutzbare Unterrichtsmaterialien runden das Infoangebot ab.

Changemaker MOOC – der online Kurs für Changemaker
Der Changemaker MOOC ist ein kostenfreier, videobasierter online Kurs zur Planung von sozial und ökologisch nachhaltigen Projekten. Er ermöglicht es zu lernen, wie man aus einer Idee ein Projekt zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems macht, und zeigt, wie man unternehmerische Ansätze nutzen kann, um gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Für die Teilnahme am Changemaker MOOC sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Zentrale Lerninhalte werden in Form kurzer Videos vermittelt. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Der Kurs richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen und Studienphasen (Bachelor, Master, Promotion).

Partizipation für ein nachhaltiges NRW

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Mrz 152015
 

Partizipieren ist immer aktiv. Man kann nicht partizipiert werden. Gleiches gilt für „teilhaben“, die deutsche Entsprechung von partizipieren: Niemand kann „geteilhabt“ werden, aber Menschen können an etwas beteiligt werden, z.B. an politischen Prozessen und sich dadurch aktiv an Planungen oder Entscheidungen beteiligen. Im Gesetz verankerte Partizipationsmöglichkeiten wie Wahlen und Petitionen stehen dabei informelle(re)n Kanälen der Partizipation wie Online-Kampagnen und Social Media gegenüber. Bürger(innen) können auf die Politik zugehen oder umgekehrt. Online-Medien vereinfachen den Zugang zur Politik vielfach, aber auch offline werden Möglichkeiten der Teilhabe angeboten.

In diesem Themenspecial stellt NRW denkt nach(haltig) verschiedene Formen der Bürgerbeteiligung in Nordrhein-Westfalen vor und zeigt, wie Bürger(innen) und Politik das Land gemeinsam nachhaltig(er) gestalten wollen. Vorgestellt werden außerdem Projekte aus NRW, die die Teilhabe verschiedener Zielgruppen an politischen und gesellschaftlichen Prozessen fördern.

Gesetzlich verankerte Beteiligungsprozesse

Die grundlegendste Form der politischen Partizipation ist zur Wahl zu gehen und dadurch zu bestimmen, wer die politische Führung und die politischen Entscheidungsprozesse übernimmt. Solche Formen der Partizipation, die ganz von der aktiven Teilnahme der Bürger(innen) abhängen, gibt es in Deutschland neben Wahlen wenige. Denn Prozesse wie bundesweite Volksabstimmungen, wie z.B. in der Schweiz, sind langwierig und bergen die Gefahr, die Bürgermeinung alles andere als repräsentativ abzubilden. Außerdem setzen viele Entscheidungen Fachwissen oder die Berücksichtigung vieler Umstände voraus, was hohe Anforderungen an die Information und Meinungsbildung der Bürger(innen) stellt. Da sich globale Partizipation von Bürger(inne)n an politischen Entscheidungen als schwierig erweist, setzen Beteiligungsprozesse häufig auf niedrigeren Ebenen wie dem lokalen Umfeld an. Gleichzeitig bekommen interessierte Bürger(innen) dadurch aber die Möglichkeit, in individuellerer Form an politischen Prozessen mitzuwirken und ihre Meinung oder Expertise in entsprechenden Teilbereichen einzubringen.

In Form von Petitionen (Eingaben) können Bürger(innen) Landes- und Bundesregierung auf ihren Wunsch nach Gesetzesänderungen oder auf Benachteiligungen z.B. durch ungleiche Behandlung durch die öffentliche Verwaltung aufmerksam machen. Bei allgemeineren Petitionen, die z.B. den Wunsch nach Gesetzesänderungen betreffen, können Unterschriften dem Gesuch der Petition Nachdruck verleihen. Seit 2005 können Bürger(innen) ihre Petitionen auch online einreichen sowie diese durch digitales Mitzeichnen statt physischer Unterschriften unterstützen. Dafür wurde auf Bundesebene die Plattform epetitionen.bundestag.de eingerichtet.

Bürger(innen) werden an politischen Prozessen beteiligt

Zusätzlich zu diesen gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsprozessen, beteiligen Verwaltungen und Regierungen Bürger(innen) an bestimmten politischen Planungs- und Entscheidungsprozessen. Eckpunkte für die Umsetzung von Beteiligungsmöglichkeiten, die von der Politik ausgehen, hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Open Government Strategie „Open NRW“ festgelegt. Sie selbst ist im Rahmen eines Dialogprozesses mit Expert(inn)en und Bürger(inne)n entstanden, der on- und offline stattfand. Zu den Zielen der Open-NRW-Strategie zählt:

„Sie will die Regierungs- und Verwaltungsarbeit – Verfahren und Abläufe – für eine rechtzeitige und intensivere Information und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft und Wissenschaft öffnen und dem gemeinwohlorientierten und demokratischen Miteinander neue Impulse geben. Die Grundlagen, Ergebnisse und Wirksamkeit der Regierungs- und Verwaltungsarbeit sollen dadurch verständlicher werden.“

Bürgerbeteiligung in NRW findet aber nicht erst seit der Verabschiedung der Open-NRW-Strategie statt. Einige Beispiele illustrieren die verschiedenen Formen der Bürgerbeteiligung.

Bei Bürgerhaushalten, werden Bürger(innen) der jeweiligen Kommune an Fragen der Verwendung öffentlicher Gelder beteiligt. Sie können z.B. Sparvorschläge oder Ausgabenvorschläge einbringen. Am Kölner Bürgerhaushalt 2015 haben sich zum Beispiel knapp 4.000 Bürger(innen) mit über 650 Vorschlägen und knapp 20.000 Bewertungen beteiligt. Jeweils die 15 bestbewerteten Vorschläge für jeden Bezirk und die 15 bestbewerteten Vorschläge für ganz Köln werden an die Politik weiter geleitet. Die Bürger(innen) wünschen sich z.B. Sprechstunden für Flüchtlingsfrauen, fordern die Verbesserung des Radnetzes oder schlagen vor durch eine Nachtschaltung für Ampeln Geld zu sparen. Eine Liste über geplante, aktuelle und bereits durchgeführte Bürgerhaushalte in NRW bietet das Portal buergerhaushalt.org. Dort erkennt man allerdings auch, dass die Bestrebungen Bürgerhaushalte einzuführen, in einigen Städten wieder eingestellt wurden. Außerdem sind Ergebnisse von Bürgerhaushalten nicht immer so gut dokumentiert wie im Kölner Beispiel. Hier zeigt sich, dass bei diesen Formen der Bürgerbeteiligung nicht immer transparent ist, was mit den Vorschlägen aus der Bevölkerung passiert.

Ähnlich wie Bürgerhaushalte funktionieren Online-Konsultationen. Bei ihnen werden zu einem Thema bestimmte engere oder weitere Zielgruppen zu ihrer Meinung und ihren Vorschlägen befragt. So fragte die NRW Landesregierung z.B. 2011 in einer Online-Konsultation, welche Schwerpunkte NRW in der Entwicklungspolitik setzen sollte. Hier finden sich viele Anmerkungen und Vorschläge von Menschen, die in NRW im Bereich Entwicklungspolitik aktiv sind. Das Land zählt also auf die Expertise seiner Bürger(innen). Begleitet wurde der Prozess auch von Diskussionsveranstaltungen „offline.“ Ein Jahr nach Abschluss der Online-Konsultation wurde die „Eine Welt Strategie“ verabschiedet.

Auch zum Klimaschutzplan NRW gab es 2013/2014 Online-Konsultationen, die gezielt Vertreter(innen) der Kommunen, Unternehmen und Bürger(innen) ansprachen. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung des Klimaschutzplanes ein und können online eingesehen werden. Begleitet wurde die Online-Konsultation mit Veranstaltungen wie Bürgerschaftstischen, bei denen diskutiert wurde, wie sich die geplanten Maßnahmen des Klimaschutzplans mit der Lebenswirklichkeit der Bürger(innen) in NRW vereinbaren lassen. Dies zeigt, dass Bürgerbeteiligung nicht immer nur online stattfindet.

Aktuell läuft noch bis 22. Juni 2015 die Online-Anhörung des Umweltministeriums zum Bewirtschaftungsplan und Gewässerschutz in NRW. Auch für die Überarbeitung der Landesverfassung, kann man derzeit online Vorschläge einreichen und den Prozess verfolgen. Ein Thema der Aktualisierungsdebatte ist der Ausbau der Partizipation.  Wie das Ganze funktioniert, erklärt dieses Video:

Bürger(innen) engagieren sich

Während diese Wegen der Partizipation formell gestaltet sind und vor allem von der Politik ausgehen, bietet das Internet Bürger(inne)n informellere Wege Unterstützer(innen) für ein Anliegen zu gewinnen, um dieses an die Politik weiter tragen. Das Kompetenzzentrum öffentliche Informationstechnologie hat in der Studie „Digitales Bürgerschaftliches Engagement“ festgestellt, dass digitale Medien ein solches gesellschaftliches Engagement fördern, z.B. weil sie Beteiligung flexibler machen und sich die Organisation von Gruppen oder Aktionen vereinfacht.

Auf Kampagnen-Plattformen wie campact (campact e.V.) und greenaction (Greenpeace) vernetzen sich Aktivist(inn)en, die sich unter anderem für Verbraucher- und Umweltschutz einsetzen. Durch ihre Online-Kampagnen rufen sie interessierte Bürger(innen) zur Unterstützung auf, die in Form von Spenden, Demonstrationen oder Online-Aktionen erfolgen kann. Aktuell macht z.B. der BUND über greenaction auf die Gefährdung der Fledermäuse im Buschbeller Wald bei Frechen aufmerksam. Dieser soll für die Quarzsandgewinnung abgeholzt werden. Gegen diese Pläne bittet der BUND über die Online-Plattform nun Unterstützer(innen), einen Appell zu unterzeichnen, der unter anderem an NRW-Umweltminister Remmel gerichtet ist.

Auch auf eigenen Seiten und über Social Media machen Aktivist(inn)en mit Online-Aktionen auf ihre Sache aufmerksam. Dabei wird nicht immer die Politik angesprochen, sondern Aktivist(inn)en informieren andere Bürger(innen) und fordern zur Beteiligung auf.

Das Handbuch Medien und Nachhaltigkeit, das von NRW denkt nach(haltig) zusammengestellt ist und regelmäßig aktualisiert wird, informiert über die Potenziale von Social Media für Online-Kampagnen und demonstriert anhand von Beispielen einiger Nachhaltigkeitsakteure Maßnahmen und Wirksamkeit kompetenter Mediennutzung für die Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Beitrag der Non-Profit-Organisation 2aid.org z.B. stellt vor, wie sie Facebook nutzt, um Spenden für Wasserprojekte in Afrika zu sammeln. Einen kritischen Blick auf Online-Engagement wirft der Artikel „Nachhaltigkeit per Mausklick – nur was für Faule?“. Wie ein sinnvoller Einsatz von Social Media für Projekte im Nachhaltigkeitsbereich aussieht, erklärt Sophie Scholz, Gründerin der Initiative Socialbar „online vernetzen – offline bewegen“. Schließlich bietet das Handbuch eine Anleitung zum Selbermachen für den Einsatz von social Media durch NROs.

Verwaltung und Bürger(innen) teilen Informationen

Ein weiterer Aspekt des bürgerschaftlichen Engagements ist das Teilen von Informationen, das in verschiedene Richtungen funktioniert und aus dem wiederum ein Mehrwert für die Gesellschaft entstehen kann.

Unter das Stichwort „Transparenz“ fallen die Dokumentation von Arbeitsprozessen und die Veröffentlichung von Daten aus der Verwaltung. Die Landesregierung NRW macht Bürger(inne)n gegenüber ihr Handeln transparenter, indem z.B. Dokumente und Protokolle aus der parlamentarischen Arbeit veröffentlicht werden. Über das Dokumente-Archiv des Landtags NRW lassen sich z.B. der Bericht über die Aktivitäten in NRW zum Thema Lebensmittelverschwendung finden oder man kann die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie für NRW nachvollziehen. Diese Formen von Transparenz helfen denjenigen, die an einer bestimmten politischen Entscheidung besonders interessiert sind auch wenn diese nicht breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Das birgt allerdings auch den Nachteil, dass diese Dokumente anders als z.B. Presseinformationen nicht speziell für die breite Öffentlichkeit aufbereitet sind

Verwaltungsdaten, die für die Öffentlichkeit, für Unternehmen oder Forschung nutzbar gemacht werden können, finden sich auf Bundesebene im Portal govdata. Diese offenen Daten können die Grundlage für Projekte von Bürger(inne)n oder Unternehmen bieten, z.B. für eine App, die über die Umweltzonen in Deutschland informiert. In NRW geschieht die Veröffentlichung von Verwaltungsdaten in NRW noch dezentral. Beispiel sind Geo-Daten wie der NRW-Atlas, der Kartenmaterial für die freie Weiterverwendung zur Verfügung stellt.

Ähnlich wie bei den Online-Kampagnen teilen auch Bürger(innen) untereinander Informationen und machen ihr Engagement sichtbar. Von Bürger(inne)n gefüllte Stadtwikis funktionieren z.B. als Ergänzung zu den offiziellen Webseiten der Stadt und stellen der Öffentlichkeit z.B. historische Fakten, Tourismusinformationen oder Bilder ihrer Stadt zur Verfügung. Für NRW findet sich mittlerweile ein gutes Dutzend an Stadtwikis online. Innerhalb von zehn Jahren haben sich z.B. im Münsterwiki knapp 3.500 Artikel angesammelt. Ein weiteres Beispiel, indem ehrenamtlich Engagierte Informationen sammeln, um sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, ist die Zeitzeugenarbeit, wie sie z.B. in Mülheim a.d.R. stattfindet.

Partizipation für ein nachhaltiges NRW ermöglichen

Die Möglichkeiten für Bürger(innen) sich online und offline an politischen Prozessen und Entscheidungen zu beteiligen sind vielfältig. Selbst aktiv zu werden setzt allerdings immer ein Wissen um die Beteiligungsmöglichkeiten und ein Interesse bzw. Verständnis für die Themen voraus. Zusätzlich sind gerade bei Formen der Online-Partizipation technische Fähigkeiten und Medienkompetenz notwendige Bedingungen um sich beteiligen zu können. In NRW setzen sich viele Institutionen und Projekte dafür ein Beteiligungsmöglichkeiten bekannter zu machen und die dafür notwendigen Kompetenzen zu vermitteln.

Hier stellen sich einige Projekte und Angebote vor:

Netzwerk Engagement älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft
Unsere Gesellschaft wird zunehmend durch die Digitalisierung geprägt. Dies geschieht nicht nur im Bereich von Information, sondern hält Einzug in sämtliche Lebensbereiche. Ältere spielen hier bislang kaum eine aktive Rolle, sondern werden in erster Linie als Verbraucher und Konsumenten gesehen. Das Internet bietet aber auch Chancen für die Gestaltung des Alltags, den Aufbau sozialer Kontakte und die Engagementfelder älterer Menschen im direkten Nahraum (Kommune, Quartier, Stadtteil, Nachbarschaft). Die Workshopreihen in diesem Arbeitsfeld und das Netzwerk “Engagement älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft” ermöglichen es Älteren, das Internet für ihre Engagementfelder zu nutzen.

Daniel Hoffmann, Projektleiter des Forums Seniorenarbeit NRW, erklärt im Gespräch mit NRW denkt nach(haltig) wie Senior(inn)en Online-Medien für ihre eigenen Projekte und Interessen nutzen und sie damit ihr gesellschaftliches Engagement unterstützen können.

JuMP – Jugend, Medien und Partizipation
JuMP heißt “Jugend, Medien und Partizipation”. Sich einmischen. Mitbestimmen. Politik verstehen und daran teilhaben. Mit digitaler Kompetenz. JuMP zeigt, wie es geht. Ganz praktisch. Ganz konkret. Bei diesem Projekt des Seminar- und Tagungszentrums Haus Neuland in Bielefeld dreht sich alles um die Beteiligung Jugendlicher an der Demokratie mit digitalen Medien.

aGEnda21-Projekt „jung-engagiert“ in Gelsenkirchen
Kinder und Jugendliche sind die zukünftigen Gestalter dieser Welt. Pädagogen, Eltern und Bildungsträger sind in der Verantwortung aus dieser Generation nicht nur „Leistungsträger“ der Gesellschaft zu formen, sondern viel mehr Kinder und Jugendliche zu demokratischen und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Das aGEnda21-Projekt „jung-engagiert“ will jungen Menschen aus Gelsenkirchen ermöglichen, sich für Nachhaltigkeitsthemen zu engagieren. Die Maßnahmen initiiert von Jugendlichen im Rahmen des Arbeitskreis „jung-engagiert“ in der aGEnda21 zeugen vom Engagement der Jugend für Veränderungen im Sinne der nachhaltigen Entwicklung in Gelsenkirchen. Ihre Aktivitäten machen deutlich: Nachhaltige Entwicklung ist kein utopisches Ziel, sondern das Beschreiten von Wegen in die Zukunft im jetzt und hier.

Umdenken – jungdenken! Frische Ideen für NRW
Die jugendpolitische Initiative „umdenken – jungdenken! Frische Ideen für NRW“ setzt sich für eine einmischende Jugendpolitik ein. Junge Menschen sind in ihrer Vielfalt von den gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und den Entscheidungen der Politik in vielen Themenfeldern betroffen. Stadtentwicklung, Arbeitsmarktpolitik, Infrastrukturpolitik etc. haben Auswirkungen auf ihre Lebensqualität im Hier und Jetzt – aber auch auf ihre Zukunft.

Europateam NRW – Europamodule der Landeszentrale für politische Bildung
Im “Europateam NRW”engagieren sich junge Menschen für Europa in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit. In Teams von je zwei Personen gestalten sie gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern spannende und anschauliche Projekttage. 2015 können nun erstmals auch Projekttage gebucht werden, bei denen das politische Geschehen hautnah erlebt werden kann – und zwar direkt in der Landeszentrale für politische Bildung NRW. Nach dem Konzept des “alternativen Lernortes” wird somit sichergestellt, dass der Projekttag zu einem besonders nachhaltigen Erlebnis für die Schülerinnen und Schüler wird.

 

Nachhaltigkeit im digitalen Arbeitsalltag

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Feb 092015
 

Der durchschnittliche digitale Arbeitsalltag
Eine Angestellte in Deutschland. Sie schafft es heute nicht ins Büro, die Bahn streikt. Wie jeder zweite Berufstätige in Deutschland arbeitet sie dann von zu Hause, schließlich macht es ihr das gelegentliche Home Office leichter Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Natürlich sitzt sie heute an ihrem eigenen Laptop, aber dort ist ihr aktuelles Projekt sowieso gespeichert, denn sie nimmt ihr privates Gerät oft mit ins Büro. An diesem Tag bekommt sie 18 berufliche E-Mails. Noch vor gut drei Jahren waren es „nur“ 11 E-Mails pro Tag, aber sie ist froh nicht zu den 10 Prozent der Kolleg(innen) zu zählen, die pro Tag über 40 Mails zuzüglich SPAM erhalten. Heute fällt für sie zumindest das Mails-Checken auf dem Weg zur Arbeit aus.

Statt Mittagessen mit den Kolleg(inn)en, will sie heute in ihrer Pause an ihrer Steuererklärung weiter arbeiten. Schließlich muss sie an Bürotagen ja sonst alles abends erledigen. Die Mail um 12:43 aus dem Personalbüro beantwortet sie trotzdem schnell: Es geht ja nur darum, wann ihre letzte Dienstreise war. Jetzt funktioniert aber der neue Online-Kalender der Firma plötzlich nicht, aber deswegen ihre Schreibtischnachbarin anrufen, die ihr sonst immer hilft? Das will sie nicht. Die Mail ist dann doch erst nach einer halben Stunde beantwortet und die Steuererklärung muss dann doch bis abends warten.

Um 22:00 Uhr schaut sie dann doch noch mal in ihre E-Mails. Ihr Betrieb verlangt das gar nicht von ihr, wie die meisten deutschen Unternehmen, aber sie tut es trotzdem. Wie ein Drittel aller beschäftigten Frauen ist sie jederzeit für ihr Unternehmen erreichbar, auch über die Feiertage. Nach dem abendlichen Beantworten der Mails kann sie schlecht einschlafen, obwohl sie vorher eigentlich müde war.

Wenn auch nur ein Beispiel, zeigt diese Geschichte, dass sich hinter den vordergründigen Erleichterungen des digitalen Arbeitsalltags auch Nachteile verbergen. Damit aus dem Nutzen mobiler Geräte und neuer Technologien für die tägliche Arbeit kein Schaden entsteht, gilt es – wie auch in so vielen anderen Aspekten der Nachhaltigkeit – das richtige Maß zu finden.

Im vorliegenden Themenspecial gibt NRW denkt nach(haltig) einen Überblick über Bereiche, auf die der digitale Arbeitsalltag Auswirkungen haben kann, stellt Link-Tipps, Literatur- und Praxistipps zur Verfügung und stellt Projekte vor, die zu einer bewussteren Mediennutzung im Arbeitsalltag beitragen möchten.

Arbeit ist Arbeit und Freizeit ist Freizeit?
Über die Hälfte der Berufstätigen ist bereits der Meinung, dass sich durch das Home-Office Arbeit und Privatleben zu stark vermischen. Und auch wer eigentlich die Arbeit im Büro lässt, nimmt sie dennoch mit sich nach Hause. Das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA) NRW hat in seiner aktuellen Studie „Gesunde Arbeit NRW 2014“ herausgefunden, dass Gedanken an die Arbeit gut ein Drittel der befragten Beschäftigten daran hindern, sich zu entspannen. Das Gefühl ständig erreichbar sein zu müssen, belastet gerade die Berufstätigen mit zusätzlicher Belastung durch Kinder oder pflegebedürftige Personen im Haushalt. Etwa ein Viertel von ihnen berichtet, sich deswegen in den letzten zwei Wochen nicht erholt zu haben.

Die Zahlen zum „Arbeitsalltag 3.0“ der BITKOM zeigen, dass hinter diesem Druck nicht nur die Unternehmen stehen, sondern vor allem die Berufstätigen an sich selbst die Erwartung stellen auch zu Hause für die Arbeit erreichbar zu sein. Schließlich verspricht das schnelle Erledigen von Mails oder Telefonaten zu Hause schon etwas für den nächsten Tag geschafft zu haben.

Effizienzsteigerung durch Multitasking und neue Technologien?
Das ständige Hin- und Herwechseln zwischen zwei Aufgaben, also z.B. der beruflichen Mail und der privaten Steuererklärung, kostet den Menschen aber im Endeffekt mehr Energie als beides nacheinander zu erledigen. Echtes menschliches Multitasking ist ein Mythos. In Wirklichkeit, erklärt Neurowissenschaftler Earl Miller, macht es uns weniger effizient und ruft Stress hervor. Aufgaben nach Wichtigkeit sortieren und alle paar Stunden ein paar Minuten Pause zu machen, seien die bessere Strategie, rät z.B. der Neurowissenschaftler Daniel Levitin.

Ebenso steigert auch nicht jede neue Technik automatisch die Effizienz eines Mitarbeiters. Der aktuelle Digital-Index der Initiative D21 hat herausgefunden, dass viele Beschäftigte beim Erlernen einer neuen Technik in ihrem Beruf alleine gelassen werden und sich die Dinge selbst beibringen müssen.  Das kostet nicht nur Zeit, sondern es birgt auch für den einzelnen Beschäftigten die Gefahr, digital abgehängt zu werden. Damit sind neue Technologien, wenn sie nicht angemessen im Arbeitsalltag eingeführt werden, eine weitere Quelle von Belastung und Stress.

Arbeitsschutz am digitalen Arbeitsplatz
Davor dass der digitale Arbeitsalltag auch Auswirkungen auf das physische Befinden hat, und Haltungsschäden und Augenproblemen hervorrufen kann, wird schon seit Anfang der EDV gewarnt. Dazu kommen heute neue Erkenntnisse, wie Studien, die zeigen, dass die Benutzung LED-beleuchteter Bildschirme von Laptops, Tablets oder Smartphones kurz vor dem zu Bett gehen den Schlafrhythmus stören können.

Zum Schutz der Beschäftigten gilt schon seit fast 20 Jahren in Deutschland die so genannte Bildschirmarbeitsverordnung, die z.B. eine ergonomische Einrichtung des Arbeitsplatzes und Angemessenheit der Software an die Bedürfnisse und Kenntnisse der Beschäftigten vorschreibt. Helfen, am digitalen Arbeitsplatz gesund zu bleiben, sollen auch tragbare Technologien wie ein Sensor der die Sitzhaltung der Mitarbeiter registriert und sie gegebenenfalls zu gesünderen Positionen animiert.

Zwar gibt es verbindliche Richtlinien wie die physische Gesundheit von Mitarbeitern an digitalen Arbeitsplätzen geschützt wird, aber viele der geschilderten Probleme des digitalen Arbeitsalltags sind (noch) nicht erfasst, gerade wenn es um Vermischung von Arbeit und Privatleben oder Stress durch zunehmende Informationsflut und Multitasking geht. Einige Unternehmen begrenzen z.B. bereits den E-Mail-Zugang nach Feierabend, aber dies sind erst vereinzelte Maßnahmen in Richtung eines digitalen Arbeitsschutzes.

Was digitalen Arbeitsschutz umfasst definiert Sabria David, Mitbegründerin des Bonner Slow Media Instituts:

„Digitaler Arbeitsschutz umfasst Maßnahmen, Mittel und Methoden zur Förderung eines gesunden, produktiven digitalen Leistungs- und Arbeitsumfeldes. Ziel ist es, den Fortschritt der digitalen Technologien adäquat in die Arbeitswelt zu integrieren, die Potentiale digitaler Arbeit zu nutzen und zugleich ihren Gefährdungen mit präventiven Maßnahmen zu begegnen. Digitaler Arbeitsschutz ist ein nachhaltiger Prozess, der Organisationen konstruktiv in die digitale Zukunft begleitet. Er definiert Rahmenbedingungen für ein kooperatives mediales Klima sowie ein respektvolles, positives Leistungsumfeld und ist ein wichtiges Element verantwortungsvoller, Ressourcenschonender Mitarbeiterführung.“

Mehr Informationen und Gedanken zum Thema „digitaler Arbeitsschutz“ finden sich im Interview mit Sabria David auf dem Blog von NRW denkt nach(haltig).

Datenschutz am digitalen Arbeitsplatz
Arbeitserleichterung durch digitale Technologien und Schaden z.B. durch Mitarbeiterüberwachung können allerdings nahe beieinander liegen. Schon die Bildschirmverordnung und weitere Datenschutzgesetze verbieten die qualitative und quantitative Kontrolle von Mitarbeitern ohne deren Wissen. Dass dies dennoch – sowohl mit als auch ohne Wissen der Betroffenen – geschieht, zeigen die Überwachungsskandale der letzten Jahre. So erhielt z.B. REWE 2014 den Negativpreis „Big Brother Award“ für den Einsatz einer Software, die in ihrem Call-Center nicht nur Gespräche mitschneidet sondern auch Klick- und Tippbewegungen der Mitarbeiter(innen) registriert.

Tragbares Terminal für den Einsatz in Lagerhallen.

Tragbares Terminal für den Einsatz in Lagerhallen.

In der digitalen Zukunft, wird die Grenze zwischen Arbeitserleichterung und Überwachung durch Technik noch fließender. In Form von Datenbrillen oder tragbaren Sensoren oder gar implantierten Chips rückt die digitale Technik noch näher an den Mitarbeiter als der Computerbildschirm. In der so genannten Industrie 4.0, die u.a. auf Prozessoptimierung durch Daten und Technik setzt, registrieren z.B. vernetzte Geräte am Körper der Mitarbeiter(innen) welche Produkte sie gerade in der Hand haben. Das erspart zwar das Ausfüllen von Laufzetteln, aber zeichnet auch die Schnelligkeit des Mitarbeiters auf. Aus gesteigerter Effizienz durch digitale Technologie kann also auch schnell Effizienzüberwachung werden.

 

Medien

  • In der Ausgabe der Rubrik Netzdebatte zum Thema “Das Internet der Dinge” der Bundeszentrale für Politische Bildung erklärt Eckhardt Hohwieler vom Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik des Fraunhofer Instituts, was heute unter dem Begriff Industrie 4.0 zu verstehen ist, und wie sich diese Entwicklungen auf die menschliche Arbeit auswirken.
  • In der Ausgabe „Schöne neue Welt, der Preis des Teilens“ widmet sich das Panorama, das Politikmagazin des NDR, dem Thema „Share economy“. Die Sendung zeigt, dass neue Online-Geschäftsmodelle, wie der Taxidienst „Uber“ nicht nur das positive Potenzial zum Teilen von Ressourcen bieten, sondern auch zu unkontrollierter (Selbst-)Ausbeutung dieser neuen Art von Freiberufler(inne)n führen können.

Literatur

  • Der Band „Medien nachhaltig Nutzen: Beiträge zur Medienökologie und Medienbildung“ (2012) aus der Reihe „Medienkompetenz NRW“ umfasst Artikel, die auf die Frage antworten: Wie können Medien nachhaltig genutzt werden? Dies umfasst sowohl die ökologische Perspektive von Ressourcen- und Stromverbrauch durch Medien, als auch die soziale Dimension von Mediennutzung in ihren Auswirkungen auf soziale Beziehungen, Kommunikation und Privatleben.
  • Im „Slow Media Manifest“ fassen die Gründer des Bonner Slow Media Instituts, Benedikt Köhler, Sabria David und Jörg Blumtritt, 14 Eigenschaften zusammen, die „Slow Media“ ausmachen. In Anlehnung an die Slow-Food-Bewegung sind dabei unter „Slow Media“ Medien und Mediennutzung zu verstehen, die nicht auf schnelle Konsumierbarkeit von Medien setzen, sondern auf ihre sorgfältige Auswahl, den sachgerechten Umgang und ihre nachhaltige Nutzung. Das „Slow Media Manifest“ wurde in acht Sprachen übersetzt und wird in über 30 Ländern debattiert.
  • Auf der 3. NRW Nachhaltigkeitstagung wurde im November 2014 in Mülheim a.d. Ruhr über Leben, Arbeiten und Wirtschaften im NRW des Jahres 2030 diskutiert. In der Dokumentation der Tagung findet sich zum Beispiel die Zusammenfassung des Themenforums „Gute und faire Arbeit“, in dem unter anderem über die veränderten Formen moderner Arbeit wie selbst gestaltetes Arbeiten diskutiert wurde. Die Ergebnisse der Tagung fließen in die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes NRW ein, die bis Ende 2015 entwickelt werden soll.

Praxistipps

  • Die Broschüre „IM BLICKPUNKT: Medienökologie“ gibt auf sechs Seiten Antworten auf die Fragen: Wie können wir ökologisch und sozialverantwortlich Medien nutzen? Wie Kommunikation gestalten? Und: Wie Gesundheitsgefährdungen und Umweltbelastungen vermeiden? Außerdem werden Tipps gegeben, was der Einzelne tun kann, um seinen Medienalltag nachhaltiger zu gestalten.
  • Das Projekt iRights.info erklärt gemeinsam mit klicksafe die rechtliche Lage zur Überwachung von Computer und Internet am Arbeitsplatz in Deutschland.
  • Die eEtiquette, eine Initiative der Deutschen Telekom, gibt online, als App, Buch oder Poster in kurzer und oft unterhaltsamer Form „101 Leitlinien für die digitale Welt“. Darunter auch Tipps für die digitale Kommunikation im und rund ums Büro, z.B.:

    „Reduziere deinen CC-Ausstoß. Denk an deine Umwelt und setze nur diejenigen in CC, die Bescheid wissen müssen.“

Projekte

Digitaler Arbeitsschutz: Arbeiten in der digitalen Gesellschaft
Erreichbarkeit auf allen Kanälen, überquellende Mailboxen und explodierende mobile Daten. Nachdem lange die Frage der technischen Machbarkeit im Vordergrund stand, rückt nun immer drängender die Frage nach der Kulturtechnik in den Mittelpunkt: Wie können wir nachhaltig und sinnvoll mit diesen technischen Möglichkeiten umgehen? Wie definieren wir den konstruktiven Einsatz digitaler Medien für das Leben und die Arbeitswelt der Zukunft? Digitaler Arbeitsschutz schließt diese Lücke. Entwickelt wurde das Präventionskonzept des Digitalen Arbeitsschutz von Sabria David, der Mitgründerin des in Bonn ansässigen Slow Media Instituts.

Colabor | Raum für Nachhaltigkeit
Das Colabor | Raum für Nachhaltigkeit ist Co-Working Space, Veranstaltungsraum und Anlaufpunkt für die Nachhaltigkeitsszene in Köln. Um die 20 Unternehmen, Freiberufler, Berater, Vereine und Verbände nutzen das Colabor als Arbeitsplatz und setzen in ihrer Arbeit Impulse für gesellschaftlichen Wandel. So ist das Colabor ist Sitz von ‘dasselbe in grün – Verband der nachhaltigen Unternehmen e.V.’, einem deutschlandweiten Netzwerk nachhaltig arbeitender Unternehmen und ein lokaler Partner von Greenpeace Energy.

Sustainable Business Angels Initiative
Innovative Ideen und verantwortungsbewusstes Unternehmertum sind notwendig auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft. Die erfahrenen Unternehmer der Initiative “Sustainable Business Angels” (SBA) begleiten und unterstützen daher junge Unternehmer mit ihrem Know-how, ihrem Ideenreichtum und ihren Netzwerken. Darüber hinaus entwickelt die Initiative gemeinsam mit unabhängigen Experten Leitlinien, die aufzeigen sollen, wie eine frühzeitige Umsetzung von Corporate Social Responsability (CSR) in die Unternehmensprozesse erreicht und begutachtet werden kann.

Dialogprozess Arbeiten 4.0 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
Bundesministerium für Arbeit und Soziales eröffnete im April 2015 den bis Ende 2016 angelegten Dialogprozess „Arbeiten 4.0“, in dem sowohl Experten als auch Bürger(innen) in den Dialog über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft treten. Grundlage des Dialogs bildet das Grünbuch Arbeit 4.0, das Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zum Auftakt in Berlin vorgestellt hat. Einerseits diskutiert ein Expertenkreis aus Wissenschaft und Praxis diese Grundlage. Andererseits bietet die Webseite www.arbeitenviernull.de eine Plattform für alle Bürgerinnen und Bürger, die mitdiskutieren möchten. Auch per Facebook und Twitter (#arbeitenviernull) können sich Bürger(innen) beteiligen. Die Beiträge aus dem Online-Bürger-Dialog fließen dann in ein zu erstellendes Weißbuch ein.

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